Einige Menschen entwickeln leichter eine Allergie als andere. Und während sich beim einen die Allergie als Asthma manifestiert, bekommt der andere Heuschnupfen. Die Gene könnten eine Antwort darauf zu geben, warum Allergie individuell so unterschiedlich ausgeprägt ist. In der Frage einer genetischen Veranlagung, an deren Existenz nicht gezweifelt wird, stehen die Mediziner allerdings noch ganz am Anfang, hieß es am Donnerstag auf dem 20. europäischen Kongress für Allergologie in Berlin.
Verschiedene Denkansätze bieten sich an, erläuterte Stephen Holgate von der Universität in South Hampton (England). Ein Baby kann von einem Elternteil oder beiden Eltern eine Neurodermitis als ererbte Krankheit mitbekommen oder eine komplexe genetische Ausstattung zum Umgang mit Pflanzenpollen mitbekommen. Jeder Säugling reagiert auf Allergene (Allergie auslösende Stoffe) mit einer Immunantwort. Die Antwort kann in zweierlei Richtung ablaufen: als zukünftiger Schutz – so sollte das Immunsystem normalerweise funktionieren – oder als übersensible Bereitschaft zur Ausbildung einer Allergie in Form von Entzündung und Schwellung.
Bekannt seien Gene für Blutzellen, die wiederum Stoffe von außerhalb als Allergen erkennen, sagte Holgate. “Die Frage, ob wir eine nur schwache oder eine starke Allergie ausbilden, hängt von weiteren Genen ab, die immunmodulierende Gene genannt werden.” Ferner wollen die Mediziner herausfinden, warum sich eine allergische Reaktion in einer Familie in den Bronchien, in einer anderen an der Haut festsetzt. “Es gibt offenbar Gene, die eine allergische Reaktion in bestimmte Körperteile dirigieren.”
Diese Ergebnisse jedoch können nicht erklären, warum jene Gene, die heute als Allergie auslösend angesehen werden, in gut jedem zweiten Menschen zu finden sind, aber nur jeder vierte im Lauf seines Lebens Asthma oder ein Ekzem entwickelt. Das internationale Human- Genom-Projekt wird nach Ansicht von Holgate und anderen Wissenschaftlern helfen, einfacher als früher jene Gene zu identifizieren, die im Allergiegeschehen eine Rolle spielen. Klar ist, dass es nicht nur drei oder vier sind, wie noch vor wenigen Jahren angenommen wurde.
Auch wird, wie auf dem Kongress in Berlin betont wurde, die Bereitstellung eines Medikaments erst ganz am Ende eines noch weiten Weges stehen. Schon vorher aber könne man mit der Entwicklung von genetischen Tests rechnen, die das individuelle Risiko für eine Allergie bestimmen.
Einen ganz neuen Zugang böten schon jetzt so genannte Anti-IgE- Antiköper (E25). IgE-Antiköper sind körpereigene Reaktionsstoffe auf allergene Stoffe wie Pollen. IgE stößt die Bildung bestimmter Blutzellen an, die wiederum die Bronchien angreifen. Genetisch hergestellte Anti-IgE blockieren körpereigenes IgE (Immunglobulin E). Patienten selbst mit schwerem Asthma bronchiale könnten mit einer deutlich gesteigerten Lebensqualität rechnen, hieß es. Eine entsprechende Spritze kann nach Annahmen von Medizinern schon Ende des Jahres zugelassen werden.
Gerald Mackenthun, dpa





