Das erste Zeitgeber-Gen beim Menschen haben Forscher des amerikanischen Howard Hughes Medical Institut bei Untersuchungen an einer Familie aus Utah entdeckt. Deren Familienfeste müssen ziemlich öde sein: Meist geht die Familie bereits um sieben Uhr ins Bett, ist aber schon um zwei Uhr wieder munter. Wie die Forscher um Louis J. Ptacek zeigen konnten, tragen die Familienmitglieder eine Mutation in dem Gen mit der wissenschaftlichen Bezeichnung “hPER2”. Es befindet sich auf Chromosom Nummer 2. Die Entdeckung könnte helfen, Therapien gegen Schlafprobleme oder gegen Jet-Lag nach Langstreckenflügen zu entwickeln, schreiben die Forscher im Wissenschaftsmagazin Science Online.
Erst 1999 entdeckte Christopher Jones von der Universität Utah, ein Mitautor des Science-Artikels, die erste Familie mit vererbten Störungen im Tagesablauf. “Das Problem bei der Suche nach solchen Familien war, dass es eine riesige Bandbreite an normalem Schlafverhalten gibt ? vom Frühaufsteher bis zur Nachteule. Den Tagesrhythmus bestimmen eben nicht nur mehrere Gene, sondern auch viele Umweltfaktoren”, erläutert Ptacek.
Die Sequenz des veränderten Gens ist bekannten Zeitgeber-Genen aus Mäusen und der Fruchtfliege Drosophila sehr ähnlich. Auch bei den Tieren beschleunigt sich der Tagesrhythmus, wenn das Gen verändert ist. Die Forscher tauften das Gen auf dem Chromosom 2 “hPER2”.
Ptacek vermutet, dass noch viele Zeitgeber-Gene entdeckt werden, die unseren Tagesablauf stören, wenn sie verändert sind. “Inzwischen kennt man neben der Familie aus Utah weitere, die zwar ebenfalls sehr früh zu Bett gehen, aber nicht die gleiche Genmutation tragen”, sagt Ptacek.
Die Kenntnisse über die “Innere Uhr” des Menschen könnte zu Therapien gegen Schlafstörungen führen und damit vielen Menschen helfen. “Vor allem ältere Menschen haben ähnliche Schlafprobleme wie die Familie aus Utah”, erklärt Ptacek. “Jugendliche dagegen haben oft das umgekehrte Problem, dass sie nicht rechtzeitig ins Bett kommen.” Auch für Reisende über Zeitzonen und Schichtarbeiter könnte man Medikamente entwickeln, die den Tagesrhythmus wieder richtig einstellen. “Schläfrigkeit ist für viele Verkehrs- und Arbeitsunfälle verantwortlich”, sagt Ptacek. “Könnten wir die Innere Uhr wie die Uhr am Handgelenk beliebig umstellen, würden wir uns nach einem Langstreckenflug viel leichter in der neuen Zeitzone einfinden.”
Marcel Falk





