Ein neues mathematisches Modell schreibt Umwelteinflüssen einen größeren Einfluss auf den Intelligenzquotienten (IQ) zu als bisher angenommen. Das berichtet die American Psychological Association.
William Dickens vom Brookings-Institut in Washington, D.C., und James Flynn von der Universität Otago in Neuseeland waren bei der Entwicklung ihres Modells von einem bisher ungelösten Paradoxon ausgegangen: Wenn 75 Prozent des IQs vererbbar sind, was viele Psychologen behaupten, wie kann man dann erklären, dass der IQ in etwa 20 Nationen über mehrere Generationen hinweg angewachsen ist?
Um ihren Ansatz zu erklären, benutzen sie eine Analogie: Die Spielfertigkeiten amerikanischer Baseballspieler haben sich, seitdem der Sport 1945 in den USA populär wurde, dramatisch verbessert. Dickens und Flynn erklären dies damit, dass jede kleine positive Änderung, wie beispielsweise eine bessere Trainerausbildung oder die Einführung von Basketball im Fernsehen, einen Schneeballeffekt auslöst. Durch zusätzliche Motivation und Konkurrenz untereinander fordern die Spieler sich selbst mehr und spornen sich gegenseitig an.
Auf den IQ bezogen war es die Industrialisierung, die sowohl bei der Arbeit als auch in der Freizeit die kognitiven Fähigkeiten der Menschen zunehmend forderte. Das Modell von Dickens und Flynn zeigt, dass kleine, aber stetige Veränderungen das über Generationen beobachtete Anwachsen des IQ herbeiführen können.
Axel Tillemans





