Termiten sind wahre Materialwissenschaftler: Wenn sie ein Holzstück annagen, verraten ihnen die dabei entstehenden Geräusche nicht nur dessen Größe, sondern auch die Zusammensetzung des Materials. Das haben australische Forscher gezeigt, indem sie Trockenholztermiten zwischen Stücken aus massivem Holz und solchen mit einem Aluminium- oder Gummianteil wählen ließen. Obwohl die Oberfläche aller Blöcke gleich war, entschieden sich die Insekten in allen Fällen für die reinen Holzstücke. Woran genau die Tiere das Material erkennen, kann das Team um Ra Inta von Universität von New South Wales in Canberra allerdings noch nicht sagen.
Um es ihren Termiten nicht allzu leicht zu machen, dachten sich Inta und sein Team ein aufwändiges Design für die verschiedenen Testblöcke aus. Der vordere Teil bestand immer aus einem zwei Zentimeter breiten Kiefernholzstück, an das ein Stück Aluminium oder Gummi angeklebt war. Dessen Länge war jeweils so gewählt, dass es zusammen mit dem Holzstück entweder die gleiche Masse oder ähnliche Schwingungseigenschaften ergab wie ein standardisierter Kiefernholzblock. In den eigentlichen Testläufen platzierten die Wissenschaftler dann je 15 Termiten zwischen einem Holz- und einem gemischten Block und ließen sie mehrere Tage lang Gänge hineinfressen.
Trotz der Tricks erkannten die Termiten in allen Testläufen, welcher der beiden Blöcke ausschließlich aus Holz bestand und ? im Fall unterschiedlich großer Holzstücke ? welcher ihnen mehr Holz bot. Die Aluminiumkombination ignorierten sie dabei weitgehend von Anfang an, wohingegen sie leichte Schwierigkeiten sie bei den Gummi-Holz-Teilen hatten, deren Masse denen des Standardholzstückes entsprach: Hier waren sie sich erst nach vier Tagen ihrer Sache sicher, wählten dann jedoch ebenfalls ausschließlich das Massivholz.
Demnach spielen die Masse und die Frequenz, mit der das Material als Reaktion auf das Annagen schwingt, zwar eine gewisse, aber nicht die allein entscheidende Rolle, schließen die Forscher aus diesen Ergebnissen. Wichtiger scheinen Dämpfungseigenschaften im Material zu sein und die Geschwindigkeit, mit der sich die akustischen Wellen darin ausbreiten. Das Gummi dämpft Geräusche beispielsweise sehr viel stärker als Holz, und auch die Ausbreitungsgeschwindigkeit der Wellen ist unterschiedlich. Das Materialerkennungssystem der Termiten müsse daher sehr viel komplexer sein als bisher angenommen, so die Wissenschaftler. Es hilft den Tieren in ihrem natürlichen Lebensraum beispielsweise dabei, die unterschiedlichen Schwingungseigenschaften von lebendem und totem Holz so zu interpretieren, dass sie immer das für sie optimale Stück auswählen können.
Ra Inta (Universität von New South Wales, Canberra) et al.: Journal of the Royal Society Interface, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsif.2007.0223 ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel





