Die Entwicklung des Lebens auf unserem Planeten war von einem kontinuierlichen Kommen und Gehen von Spezies gekennzeichnet – doch es gab auch drastische Einschnitte, bei denen in kurzer Zeit enorm viele Tier- und Pflanzenarten verschwanden. Das berühmteste dieser Massenaussterben beendete das Zeitalter der Dinosaurier. Während in diesem Fall ein Asteroideneinschlag vor 66 Millionen Jahren als Ursache gilt, scheint bei den anderen bekannten Aussterbeereignissen verstärkter Vulkanismus der Auslöser gewesen zu sein: Es gibt Hinweise darauf, dass gewaltige Eruptionen zu atmosphärischen und ozeanischen Veränderungen geführt haben, mit denen ein Großteil der Lebewesen nicht zurechtkommen konnte.
Einem mysteriösen Massensterben auf der Spur
Die Ursache des Massenaussterbens an der Devon-Karbon-Grenze gilt allerdings nach wie vor als unklar. Im Zuge dieser sogenannten Hangenberg-Krise vor rund 359 Millionen Jahren starb ein Großteil der Pflanzen und vor allem der Süßwassertiere aus, geht aus Funden an verschiedenen Orten der Welt hervor. Wie die Forscher um John Marshall von der University of Southampton erklären, zeigen geologische Untersuchungsergebnisse , dass es in dieser Zeit nicht zu vulkanischen Aktivitäten mit globalen Folgen gekommen ist. Es scheint sich allerdings abzuzeichnen, dass die Hangenberg-Krise in eine Zeit nach der schnellen Erwärmung fällt, die das letzte Eiszeitalter des Devon beendete.
Im Rahmen ihrer Studie haben Marshall und seine Kollegen nun fossile Sporen farnartiger Pflanzen untersucht, die sich in der fraglichen Zeit abgelagert haben. Sie stammen aus Gesteinsproben, die das Team bei Expeditionen in Ostgrönland gesammelt hat. Wie die Wissenschaftler erklären, befand sich dort vor 359 Millionen Jahren ein riesiges Seebett, das damals noch im äquatornahen Bereich lag. Es handelte sich um einen Teil der Landmasse, die einst aus dem heutigen Europa und Nordamerika gebildet wurde. Zurück im Labor lösten die Forscher die urzeitlichen Sedimentgesteine in Säure auf, wobei die Reste der teils erstaunlich gut erhaltenen Pflanzen-Sporen freigesetzt wurden.
Charakteristische Fehlbildungen
Bei der mikroskopischen Untersuchung stellten die Wissenschaftler fest, dass viele der Sporen Fehlbildungen ihrer typischen Stachelstrukturen auf der Oberfläche aufwiesen. Wie sie erklären, sind dies typische Anzeichen dafür, dass während ihrer Bildung Schäden im Erbgut der Pflanze aufgetreten sind, wie sie durch ultraviolette Strahlung entstehen. Diese Interpretation untermauerte zudem ein weiterer Befund: Viele der Sporen besaßen auffallend dunkel pigmentierte Hüllen. Wahrscheinlich handelte es sich dabei um eine Art „Bräunung“, welche die Pflanzen zum Schutz vor ungewöhnlich hoher UV-Strahlung bildeten, sagen die Forscher. Sie sehen in den Ergebnissen einen deutlichen Hinweis darauf, dass die Lebewesen während der Hangenberg-Krise einem möglicherweise tödlichen Niveau von UV-Strahlung ausgesetzt waren. Vor allem die Waldökosysteme brachen dadurch vermutlich zusammen, wodurch sich der starke Artenverlust erklären lässt, der sich in den Schichten der Ära abzeichnet.





