Es gibt neben den rotbraunen zwar auch manchmal schwarze oder leicht graue Exemplare – doch in Deutschland gehören noch alle Hörnchen der Art Sciurus vulgaris an. Auf den britischen Inseln, in Irland und auch in Teilen Norditaliens ist das allerdings nicht mehr der Fall. Dort hat sich nach Einschleppungen das ursprünglich aus Nordamerika stammende Grauhörnchen (Sciurus carolinensis) im Verlauf der letzten hundert Jahre ausgebreitet. Diese Art ist robuster als das europäische Eichhörnchen und profitiert zudem von einem weiteren Aspekt: Grauhörnchen tragen ein Virus, das ihnen selbst kaum schadet – ihren rotbraunen Verwandten aber den Garaus macht.
In England hat das Grauhörnchen das heimische Eichhörnchen schon fast komplett ersetzt und ähnliche Entwicklungen schienen sich bisher auch in Irland und Schottland abzuzeichnen. Die Bestände in Italien lassen zudem befürchten, dass sich die invasive Art auch auf dem Kontinent ausbreiten könnte. Das Problem geht auch über den Artenschutz hinaus: Grauhörnchen verursachen im Gegensatz zu ihren heimischen Verwandten Fraßschäden an Bäumen.
Grauhörnchen auf dem Rückzug
Doch nun zeichnet sich immer deutlicher ab, dass ein in Europa heimisches Raubtier dem Grauhörnchen Einhalt gebieten und es sogar zum Rückzug zwingen kann. Erstmals berichteten Wissenschaftler aus Schottland über Hinweise darauf, dass die Invasoren im Reich der Baummarder (Martes martes) keine Chance haben – die heimischen Eichhörnchen hingegen durchaus. Nun bestätigen zwei weitere Untersuchungen in Irland: Im Zuge des Schutzes und der erneuten Ausbreitung des einst beinahe ausgerotteten Verwandten des Steinmarders ist es in den betreffenden Regionen zu einem Comeback der Eichhörnchen gekommen.
Die Forscher um Joshua Twining von der Queens University in Belfast werteten für ihre Studie Daten von Kamerafallen an 332 Standorten in ganz Nordirland aus, um die Verbreitung von Grauhörnchen, Eichhörnchen und Baummarder zu erfassen. Die Informationen kombinierten sie dann mit lokalen Habitat- und Umweltdaten sowie mit früheren Bestandseinschätzungen. Aus den Ergebnissen entwickelten sie zudem Modelle, die Verknüpfungen zwischen den Arten und ihren Verbreitungsgebieten aufzeigen. Bei der zweiten Untersuchung handelt es sich um ein Forschungsprojekt mit Unterstützung von Bürgern unter der Leitung der National University of Ireland in Galway, bei dem Sichtungen der drei Arten erfasst und ausgewertet wurden.
Hilfe vom Feind
Beide Untersuchungen kamen zu dem Ergebnis: Das Eichhörnchen ist in Irland wieder auf dem Vormarsch. Konkret: Wo sich die einst fast ausgerotteten Baummarder wieder etablieren konnten, sind die Grauhörnchen verschwunden, während sich dort die Eichhörnchen erholen konnten. Dieses Ergebnis legt nahe, dass sie im Gegensatz zu den Invasoren ihren Lebensraum mit dem einheimischen Räuber teilen können. Baummarder fressen zwar beide Hörnchenarten – der Unterschied besteht allerdings darin, dass sich die Eichhörnchen durch die gemeinsame Evolutionsgeschichte an den kletternden Räuber angepasst haben, erklären die Wissenschaftler. Es gibt bereits Hinweise darauf, dass das europäische Eichhörnchen den Geruch des Räubers besser erkennen kann als das Grauhörnchen. Somit besteht Hoffnung, dass der Baummarder der einheimischen Art das Überleben ermöglichen kann. Das bedeutet somit auch: Baummarder-Schutz ist Eichhörnchen-Schutz.





