Amerikanische Forscher haben verschiedenen Versuchspersonen Bilder vorgelegt, die entweder belanglos waren (es wurden Räume oder Pflanzen dargestellt), das Interesse weckten (z. Bsp. ein chromfarbenes Rhinozeros), oder aufwühlend wirkten (etwa erotische Szenen). Währenddessen haben die Wissenschaftler mit einem bildgebenden Verfahren die Aktivität des Mandelkerns im Gehirn ihrer Probanden beobachtet. Vier Wochen später testeten die Forscher, an welche Bilder sich die Probanden besonders gut erinnerten. Sie fanden – was nicht weiter überraschend ist-, daß insbesondere die mitreißenden Bilder im Gedächtnis haften blieben, während die belanglosen schnell vergessen wurden. Die Hirnscans ergaben, daß der Mandelkern bei den aufwühlenden Bildern besonders gut durchblutet wurde und mithin recht aktiv war. Bei den belanglosen Bildern war der Mandelkern kaum durchblutet. Die Forscher vermuten daher, daß es einen engen Zusammenhang zwischen der Stärke von Emotionen, der Aktivität des Mandelkerns und der Leistung des Gedächtnisses gibt.
Der Mandelkern, auch Amygdala genannt, befindet sich tief im Gehirn und gehört zum Zentrum des limbischen Systems, das eine unabdingbare Rolle in der Entstehung von Emotionen und bei der Bildung des Gedächtnisses spielt. Bei früheren Versuchen an Menschen und Tieren zeigte sich, daß eine elektrische Reizung der Amygdala Furcht- und Angriffsverhalten auslöst. Einem Affen, den man den Mandelkern entfernt hatte, konnte fortan nicht mehr zwischen ihm freundlich und unfreundlich gesonnenen Artgenossen unterscheiden. Auch Menschen, bei denen die Amygdala beschädigt wurde, haben oftmals Schwierigkeiten, die Stimmung und die Gesten von Mitmenschen zu deuten. Forscher vermuten daher, daß dem Mandelkern während der Evolution die Aufgabe zuwuchs, für das jeweils betroffene Tier wichtige Sachlagen qualitativ zu bewerten und für die Abspeicherung der Situation samt der Bewertung im Gedächtnis zu sorgen. Aus der Binnenperspektive unseres Geistes nehmen wir die Aktivität der Amygdala als Gefühle wahr, die wir in bestimmten Lagen empfinden.
Die neuen Versuche zum Zusammenhang zwischen Gedächtnisleistung, Emotionen und der Aktivität der Amygdala hat Stephen Hamann zusammen mit Kollegen von der Emory-Universität in Atlanta durchgeführt. Über die Ergebnisse ihrer Studien berichten die Forscher in der März-Ausgabe des Fachblattes ” Nature Neuroscience“.
Mehr zu den faszinierenden Vorgängen in unserem Gehirn erfahren Sie in den bdw-Highlights
” Synästesie“
” Hirngespinste“
” Das Gehirn weiß wenig von der Wirklichkeit“.
Andreas Wawrzinek, Nature Neuroscience, rtrs





