Die Fruchtbarkeit eines Mannes lässt sich nicht wie bisher angenommen aus der Zahl der Spermien im Ejakulat ableiten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie an 1.500 Männern. Die seit über 50 Jahren etablierte Bestimmungsmethode der Fruchtbarkeit muss damit überdacht werden, fordern die Wissenschaftler in der Zeitschrift New England Journal of Medicine.
Die Mediziner vom University of Rochester Medical Center hatten 765 Männer kinderloser Paare und 696 Väter aus neun verschiedenen Gegenden Englands untersucht. Alle Testpersonen waren zwischen 20 und 55 Jahren alt. Das Team um David Guzick untersuchte die Spermien der Männer auf Form, Beweglichkeit und Zahl.
Dabei stellten die Mediziner fest, dass die Zahl der Spermien alleine kein Urteil über die Fruchtbarkeit zulässt. Die Untergrenze für Zeugungsfähigkeit von 20 Millionen Spermien pro Milliliter, die von der Weltgesundheits-Organisation festgesetzt wurde, reiche nicht als Kriterium, da auch Männer mit weniger Spermien zeugungsfähig sind.
Den Untersuchungen der Wissenschaftler zufolge müssen insbesondere Beweglichkeit und Form in die Bewertung mit einbezogen werden: Das gesunde Spermium ist oval. Erst wenn weniger als 9 Prozent der Spermien diese einheitliche Form haben, gleichzeitig weniger als 32 Prozent ihrer normalen Beweglichkeit besitzen und ihre Zahl unter 13,5 Millionen pro Milliliter liegt, kann von Unfruchtbarkeit gesprochen werden, sagen die Wissenschaftler. “Es gibt eine Grauzone, innerhalb der die Spermien nicht denen eines gesunden Mannes entsprechen, aber dennoch eine Eizelle befruchten können”, heißt es in der Studie.
Etwa eines unter sechs Paaren kann keine Kinder bekommen. Unter diesen Paaren liegt die Unfruchtbarkeit in 30 bis 40 Prozent der Fälle auf Seiten des Mannes.
Susanne Donner





