Wenn Eidechsenmütter während der Schwangerschaft häufig in der Sonne baden, bekommen sie eher Töchter als Söhne. Australische Forscher konnten mit dieser Entdeckung zum ersten Mal nachweisen, dass auch bei lebendgebärenden Reptilien die Umgebungstemperatur einen Einfluss auf das Geschlecht des Nachwuchses hat. Bisher war ein solcher Effekt nur bei eierlegenden Echsen beobachtet worden. Das berichten Erik Wapstra und seine Kollegen in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society: Biology Letters (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2003.0152).
Die Wissenschaftler von den Universitäten in Macquarie, Hobart, Sydney und Wollongong beobachteten eine Gruppe Skinke der Art Niveoscincus ocellatus in freier Wildbahn. Dabei fiel ihnen eine Besonderheit im Fortpflanzungsverhalten der Echsen auf: In kühleren Jahren dauerten die Schwangerschaften länger ? und ergaben mehr männlichen Nachwuchs. Die Vermutung, diese Geschlechtsverschiebung könne mit der Umgebungstemperatur zusammenhängen, testeten die Wissenschaftler im Labor: Sie ermöglichten einigen schwangeren Weibchen zehn Stunden am Tag freien Zugang zu Wärmelampen, während sich andere nur maximal vier Stunden aufwärmen durften.
Tatsächlich stieg bei den Weibchen, die nur begrenzten Zugang zur Wärmequelle gehabt hatten, der Anteil des männlichen Nachwuchses auf knapp 70 Prozent. Dagegen bekamen die Weibchen mit den längeren Aufwärmzeiten mehr Töchter als Söhne. Auch dauerten die Schwangerschaften unter den kühleren Bedingungen länger als unter den wärmeren. Insgesamt waren alle Nachkommen deutlich kleiner, wenn die Mütter weniger Wärme abbekommen hatten.
Aus Sicht der Evolution mache diese Möglichkeit, das Geschlecht des Nachwuchses zu bestimmen, durchaus Sinn, schreiben die Forscher. Entscheidender Faktor sei hier die Größe der Tiere: Während große Weibchen mehr Nachkommen bekommen als kleinere, scheint die Körpergröße den Fortpflanzungserfolg bei Männchen nicht zu beeinträchtigen. In kühleren Jahren, in denen der Nachwuchs kleiner ist, wären daher viele weibliche Nachkommen für den Bestand der Art von Nachteil, da sie sich weniger gut fortpflanzen können. Kleine Männchen haben diesen Nachteil nicht, daher sind mehr männliche Nachkommen in kühleren Jahren von Vorteil für die Art.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





