Unglück und vor allem über gelb-türkise Neonfarben nachdenken, die Rehe blenden, Feen verscheuchen und stillen Waldspaziergängern die eben erst efundene innere Ruhe rauben. Mir fiel wieder ein, dass ich unlängst von der Eröffnung eines “Wellnesswaldes” im Schwarzwald erfahren hatte, als vor mir der schnaufende Mann im grünen Tann seine Pulsschläge zählen ließ und dieselben genauestens registrierte. Nicht einmal im bayrischen Forst bei Dietramszell kann man mehr den grellen Seiten unserer Zivilisation entkommen. Ich verließ den Weg (lesen Sie dazu unseren Hammer des Monats), flüchtete ins Unterholz und ging über weiches Moos. Und die Ruhe kam zurück. Ich registriere, wie sehr sich der noch schüttere Wald schon mit Frühling füllt, wie es riecht und knistert, krabbelt und knackt. Der Wald, mein “Psychotop”. Ein Ort, an dem sich Seelisches ereignet. Dieser Begriff des Architekten Richard Neutra, der mit seinen Häusern Seelenankerplätze, eben “Psychotope” schaffen wollte, trifft den Nagel auf den Kopf. Der Wald ist, wenn wir nicht gerade mit Kämpfen und Pulsbeobachten beschäftigt sind, der perfekte Ankerplatz für unsere Seele: “O schöner, grüner Wald,/ Du meiner Lust und Wehen/Andächt’ger Aufenthalt”, dichtete Eichendorff.
Sie finden das große Thema Wald in unserer Titelgeschichte, auf dem beigelegten Poster, im Hammer des Monats und in unserer Geschichte zu “60 Jahre Bundesrepublik”. Wir empfehlen von Herzen Spaziergänge im Wald, den Besuch eines Labyrinths und das Aufhängen unseres Waldposters. Bei regelmäßiger Anwendung und Betrachtung garantiere ich mehr innere Ruhe und Gelassenheit. Ohne jeglichen Einsatz von Funktionswäsche.
Ihre
Ilona Jerger, Chefredakteurin
Übrigens: Hibbelige Kinder und solche mit der Diagnose ADHS können nach Spaziergängen in Wald und Flur wieder still sitzen und sich konzentrieren. Schon 20 Minuten Natur bringen so viel wie eine Dosis der in diesen Fällen oft verschriebenen Pillen. Das haben Forscher der Universität Illinois herausgefunden.
Irgendwie haben wir es schon vorher geahnt.





