Viele Lebewesen verfügen über einen sechsten Sinn: Sie können das Magnetfeld der Erde wahrnehmen. Zu diesen Tieren gehören beispielsweise Zugvögel, die sich auf ihren langen Flügen maßgeblich mithilfe ihres Magnetsinns orientieren. Doch auch Fische, Wildschweine und sogar Hunde besitzen einen eingebauten Magnetkompass. Auch Wale nutzen wahrscheinlich das Erdmagnetfeld, um sich in den Weiten der Ozeane zurechtzufinden. Allerdings gibt es Anzeichen dafür, dass der Orientierungssinn der Meeressäuger immer wieder versagt. Wieso sonst stranden sie regelmäßig? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, haben Jesse Granger von der Duke University in Durham und ihre Kollegen nun 186 Strandungen von Grauwalen untersucht. “Wir haben diese Spezies gewählt, weil sie eine der längsten Migrationsstrecken unter Säugetieren zurücklegt und sich dabei nah an der Küste entlang bewegt – schon kleine Navigationsfehler erhöhen das Risiko zu stranden”, erklären die Wissenschaftler.
Zusammenhang mit Sonnenflecken
Für ihre Studie wertete das Forscherteam nur Daten von gestrandeten Walen aus, die weder Verletzungen aufwiesen, noch kurz vor ihrem fatalen Auflaufen Kontakt mit Menschen gehabt hatten. Dabei suchten sie nach Zusammenhängen zwischen den Strandungen und äußeren Einflussfaktoren, die etwas mit dem Magnetfeld der Erde zu tun haben. Tatsächlich offenbarten die Analysen: An Tagen mit vielen Sonnenflecken strandeten doppelt so häufig Tiere wie an anderen Tagen. Solche dunklen Stellen auf der Sonnenoberfläche sind ein Zeichen für sogenannte Sonnenstürme. Bei diesem Phänomen werden so viele energiegeladene Teilchen ins All geschleudert, dass dies sogar das schützende Erdmagnetfeld stören kann – im Extremfall beeinträchtigt ein starker Sonnensturm auch die Funktionsfähigkeit von Satelliten und Kommunikationssystemen.
Werden die Meeressäuger durch solche Störungen des Magnetfelds auf die falsche Route geführt? Erstaunlicherweise zeigte sich, dass sich die Strandungen nicht direkt mit bestimmten Ablenkungen des Erdmagnetfelds in Verbindung bringen ließen. Stattdessen stellten die Forscher fest: Entscheidend für die Orientierungslosigkeit der Wale schien ein von den Sonnenstürmen im All erzeugtes elektromagnetisches Rauschen im Radiowellenbereich zu sein, das auch auf der Erde messbar ist. Typischerweise machen sich diese breitbandigen Störsignale am stärksten in einer Frequenz von 2800 Megahertz bemerkbar. Wie die Forscher herausfanden, stieg das Risiko einer Strandung an Tagen mit einem besonders starken Rauschen in diesem Bereich um das Vierfache. Granger und ihre Kollegen gehen davon aus, dass dieses Rauschen den Magnetsinn der Wale ausfallen lässt. “Es gibt von Untersuchungen mit anderen Tieren bereits Hinweise darauf, dass Hochfrequenzrauschen den magnetischen Sinn stören kann”, berichten die Wissenschaftler.





