Nicht nur, dass die Weltbevölkerung unglaubliche Mengen an Müll produziert, nein, sie verbrennt einen großen Teil davon auch noch völlig unkontrolliert. Eine neue Studie des amerikanischen National Center of Atmospheric Research (NCAR) hat zum ersten Mal versucht, Schätzungen für einzelne Länder hinsichtlich deren wahren Gasausstoß durch Müllverbrennung zu erheben. Ergebnis: 40 Prozent des globalen Mülls verbrennen in offenen Feuern, die enorme Mengen von Treibhausgasen und gesundheitsschädlichen Partikeln in die Luft blasen.
In Entwicklungsländern, in denen es nur ein schlecht ausgebautes Müllsammel- und Verwertungssystem gibt, brennen die meisten dieser gefährlichen Feuer. Da der Konsum und damit die Müllberge überall auf der Welt ansteigen, ist anzunehmen, dass ebenso die Zahl der privaten Verbrennungen in Dörfern, aber auch in Slums und Großstädten zunehmen wird. Besonders gefährlich ist der Rauch, der bei der Vernichtung von Plastik und Elektrogeräten entsteht.
Luftverschmutzung wird enorm unterschätzt
Doch welche und vor allem wie viele gefährliche Stoffe auf diesem Weg in die Atmosphäre gelangen, kann bisher keiner sagen. Denn im Gegensatz zu offiziellen Müllverbrennungsanlagen sind die offenen Feuer nirgendwo vermerkt. Das Kohlenstoffdioxid, das so freigesetzt wird, taucht in keiner Statistik auf. “Die Luftverschmutzung ist über weite Teile des Globus hin enorm unterschätzt, weil keiner das offene Verbrennen von Müll mit einrechnet”, sagt Christine Wiedinmyer vom NCAR, die Hauptautorin der Studie. “Diese große Quelle der Verschmutzung sollte deutlich mehr Aufmerksamkeit erhalten.” Den Anstoss, in diese Richtung zu forschen, bekam Wiedinmyer durch einen Besuch in Ghana. Das Dorf, das sie dort besuchte, lag nahezu ununterbrochen unter einer dichten Rauchwolke. Den ganzen Tag brannte irgendwo ein Müllberg.
Um das Ausmaß dieser Luftverschmutzung einschätzen zu können, verglichen die Wissenschaftler Zahlen und Statistiken. Die Einwohnerzahl und der durchschnittliche Müllproduktion pro Person stellten sie die offiziellen Daten zur Müllverbrennung oder -verwertung gegenüber. So kamen sie auf die 40 Prozent, oder in Zahlen 1,1 Milliarden Tonnen Müll, die jeden Tag außerhalb der staatliche Strukturen vernichtet werden. Die wirklichen Werte könnten zwar um einen oder gar zwei Faktoren von ihren Schätzungen abweichen, warnen die Forscher, denn die oft illegale Müllverbrennung ist nirgendwo vermerkt oder gar reguliert. Dennoch ist die NCAR-Studie die bisher aufwendigste und genaueste Aufschlüsselung der Emissionen durch Müllverbrennung. Nach diesen Daten ist die Müllverbrennung für fünf Prozent des gesamten vom Menschen verursachten Treibhausgasausstoßes verantwortlich – soviel, wie die Industrieländer einsparen müssten, wenn sie die Ziele des Kyoto-Protokolls erreichen wollen.





