Das Violinkonzert von Beethoven, Musikantenstadl oder kreischende E-Gitarren beim Musikgeschmack gibt es eine enorme Bandbreite. Der Effekt der Musik ist aber immer der gleiche: Sie macht den jeweiligen Musikfreund glücklich. Forscher haben nun tiefere Einblicke gewonnen, was beim entsprechenden Musikgenuss im Gehirn vorgeht. Ein Bereich namens Nucleus accumbens scheint demnach das Musikzimmer unseres Denkorgans zu sein. Durch ihre Ergebnisse können die Wissenschaftler sogar voraussagen, wie viel Geld jemand für den Kauf eines Musikstücks investieren würde.
Für die Studie der Forscher um Valorie Salimpoor von der kanadischen McGill University in Montreal hatten sich 19 Freiwillige in einen Hirnscanner (fMRT) gelegt. Diese Prozedur wurde ihnen allerdings musikalisch versüßt: Während der Untersuchung durften sie 30-sekündige Ausschnitte von 60 ihnen bis dahin unbekannten Musikstücken hören. Es handelte sich um Titel, die generell dem Musikgeschmack des jeweiligen Probanden entsprachen – den hatten die Forscher nämlich zuvor ermittelt.
Nachdem die Wissenschaftler die Hirnaktivität der Versuchsteilnehmer während des Hörens der Musikausschnitte erfasst hatten, begann der zweite Teil des Experiments: Die Probanden nahmen nun vor einem Computer Platz, auf dem ein Programm lief, mit dem man Musiktitel käuflich erwerben kann. Die Probanden konnten nun erneut durch die zuvor gehörten Musiktitel stöbern und dabei entscheiden, welche Stücke sie kaufen und auch, wie viel Geld sie jeweils investieren würden. Auf diese Weise gelang es den Forschern also, einen Zusammenhang zwischen der Gehirnaktivität und der Vorliebe für einen bestimmten Musiktitel herzustellen.
Hier spielt die Musik!
Die Auswertungen offenbarten: Hatten die Probanden einen Titel gehört, den sie später kaufen wollten, war ein bestimmter Bereich des Gehirns besonders aktiv gewesen: der Nucleus accumbens. Von dieser Region ist bereits bekannt, dass sie zum Belohnungszentrum des Gehirns gehört, das für Empfindungen wie Freude oder Befriedigung zuständig ist. Die Intensität der Aktivität im Nucleus accumbens war sogar direkt daran gekoppelt, wie viel Geld die Probanden bereit waren, für ein geschätztes Musikstück auszugeben, berichten Salimpoor und ihre Kollegen.
Beim Musikgenuss ist aber durchaus nicht die gesamte Hirnaktivität auf den Nucleus accumbens konzentriert, wie die Hirnscans ebenfalls zeigten. Es entsteht vielmehr ein Konzert verschiedener Bereiche: Auch die für Emotionen zuständige Amygdala, das Hörzentrum und viele andere Hirnbereiche arbeiten intensiv und vernetzen sich mit dem Nucleus accumbens. Das legt nahe, dass verschiedene Hirnregionen am musikalischen Genuss und der Bewertung von Musik beteiligt sind. An der Aktivierung dieser Bereiche ließ sich im Gegensatz zum Nucleus accumbens aber nicht direkt ablesen, ob und wie tief die Testpersonen für einen Musiktitel in die Tasche greifen würden, so das Ergebnis der Wissenschaftler.
Valorie Salimpoor (McGill University, Montreal) et al.: Science, doi: 10.1126/science.1231059 © wissenschaft.de – Martin Vieweg





