Auch Tiere wissen, was lecker ist. Manche sogar, was in naher Zukunft lecker sein wird: Forscher haben erstmals Marder dabei beobachtet, wie sie unreife Bananen pflücken, verstecken und erst einige Tage später verzehren. Damit sind die wieselähnlichen Tayras die ersten Säugetiere, die erwiesenermaßen derart ihre Mahlzeiten für die Zukunft planen.
Grüne Tomaten oder unreife Bananen landen nicht selten auf der Fensterbank ? mit dem Wissen, sie ein paar Tage später in voller Reife genießen zu können. Wissenschaftler der Universität von Costa Rica konnten nun ein ähnliches Verhalten bei Tayras, mittel- und südamerikanischen Verwandten der Marder, nachweisen. Dazu installierten sie Kameras an verschiedenen Bananenstauden und stellten fest: Tayras fressen im Gegensatz zu Tukanen, Nasenbären und Opossums das Obst nicht direkt von der Staude ab, sondern pflücken es am Stück. Reife Bananen werden sofort verzehrt, unreife dagegen ? vor den meisten Nahrungskonkurrenten sicher ? auf Bäumen versteckt. Einige Tage später genießen die Tayras dann die nachgereiften Bananen.
Dass Tiere Nahrung für den Winter oder spätere Zeitpunkte sammeln, ist seit Langem bekannt. Allerdings handelt es sich dabei um haltbares Futter wie etwa Nüsse. Die Tayras wissen laut den Forschern dagegen nicht nur um den künftigen Hunger, sondern auch, dass manche Nahrungsmittel erst nach einer gewissen Lagerungszeit genießbar werden. Sie planen also Mahlzeiten schon bis zu fünf Tage im Voraus.
Von anderen Wissenschaftlern wird diese These kontrovers diskutiert: Laut dem schwedischen Kognitionswissenschaftler Mathias Osvath von der Universität Lund könnte es genauso gut sein, dass die Tiere schlicht gelernt haben, welches Verhalten sich auszahlt. In einer eigenen Studie beschreibt der Schwede beispielsweise einen Schimpansen, der heimlich Steine sammelte, um später Zoo-Besucher damit zu bewerfen.
Fernando Soley und Isaías Alvarado-Díaz (University of Costa Rica): Naturwissenschaften, Bd. 98, Nr. 8, S. 693, doi: 10.1007/s00114-011-0821-0 wissenschaft.de ? Marion Martin





