Woran liegt es, dass es in manchen Populationen von Säugetieren mehr weiblichen als männlichen Nachwuchs gibt? Das untersuchen unzählige Studien, doch bislang ist der Mechanismus dieser sogenannten Geschlechterverschiebung unbekannt. Eigentlich müsste ja Chancengleichheit bestehen. Denn bei Säugetieren tragen die weiblichen Eizellen stets ein X-Chromosom, während die Spermien der männlichen Tiere entweder ein X- oder ein Y-Chromosom aufweisen – und zwar, wie man bisher glaubte, im Verhältnis 50 zu 50. Fast alle Forschungen zur Geschlechterverschiebung konzentrieren sich daher auf die Weibchen, da sie es sind, die die meiste Energie in die Aufzucht des Nachwuchses investieren. Wissenschaftler des Berliner Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung sind jetzt einen anderen Weg gegangen.
Dem Team um Joseph Saragusty war bei der Untersuchung von Zwergflusspferden in Zoos aufgefallen, dass es dort einen Überschuss an Weibchen gibt, die wiederum signifikant mehr weiblichen Nachwuchs bekommen. Saragusty beschloss, das Ejakulat der männlichen Flusspferde zu untersuchen. Zu seiner Überraschung entdeckte er, dass es darin erheblich mehr Spermien mit X- als mit Y-Chromosomen gab – die Wahrscheinlichkeit, weiblichen Nachwuchs zu zeugen, war also deutlich erhöht.
Es ist die erste Studie, die zeigt, dass männliche Säugetiere über einen – noch unklaren – Mechanismus verfügen, um ihr Ejakulat zugunsten der x- Chromosomen zu verändern. Warum die männlichen Zwergflusspferde das tun, ist laut Saragusty reiner Eigennutz: Sie reduzieren so die Zahl der Konkurrenten.





