Zahlenlernen für die Wissenschaft
Für ihre Studie absolvierten zehn über 67-Jährige und zehn junge Menschen die gleiche Aufgabe: Auf einem Bildschirm erschienen nacheinander verschiedene Serien von sechs Buchstaben und zwei Zahlen in jeweils unterschiedlicher Reihenfolge. Die Aufgabe bestand darin, sich bei jedem Durchgang nur die beiden Zahlen zu merken. Dieser Test wurde acht Tage lang wiederholt, die Forscher untersuchten dabei, ob und wie sich die Probanden in dieser Zeit bei dieser Aufgabe verbesserten. Das Ergebnis: “Sowohl die älteren als auch die jüngeren Teilnehmer zeigten signifikante Anzeichen für aufgabenbezogenes Lernen”, berichten die Forscher. Beide Altersgruppen verbesserten sich im Laufe der Zeit fast genauso viel. Das spricht nach Ansicht von Watanabe und seinen Kollegen nicht dafür, dass Ältere ein grundsätzliches Problem mit der Plastizität haben.
Doch das war noch nicht alles: Während im Lernexperiment die einzelne Zahl oder der Buchstabe zu sehen war, war der Hintergrund des Bildschirms nicht leer, sondern zeigte ein zufälliges Muster aus helleren Punkten auf hellem Grund. Von einem Bildwechsel zum nächsten veränderte sich die Position dieser Punkte mal mehr, mal weniger. Zu Beginn der achttägigen Lernphase und am Schluss variierten die Forscher einige Durchgänge im Lerntest. Dabei sollten die Probanden jeweils angeben, ob und wie sich die Punkte von einem Bildwechsel zum nächsten verschoben. Diese Beobachtung war für die eigentliche Lernaufgabe- das Merken der Zahlen – irrelevant. In der achttägigen Lernphase sollte die Bewegung der Punkte daher vom Gehirn der Probanden weitestgehend ausgeblendet werden.
Doch wie sich zeigte, war dies nur bei den jungen Probanden der Fall. Die älteren registrierten offenbar auch während der Lernphase die Bewegung der Punkte und lernten daher unbewusst auch diese Verschiebungen im Laufe der Zeit besser zu erkennen. Im Endtest schnitten sie daher besser ab als am Anfang. Das klingt erst mal positiv, ist es aber nicht unbedingt, wie die Forscher erklären: Ihr Ergebnis deutet darauf hin, dass ältere Menschen solche eigentlich irrelevanten Signale schlechter herausfiltern können als junge. “Das visuelle System älterer Personen löst das Plastizitäts-Stabilitäts-Problem dadurch weniger effektiv”, so Watanabe und seine Kollegen. Das ältere Gehirn ist zwar noch genauso lernfähig, nimmt aber eher zu viel auf – und das kann die Stabilität der gespeicherten Daten beeinträchtigen. Die Forscher schließen aber nicht aus, dass sich dieses Herausfiltern vielleicht gezielt trainieren lässt – Ignorieren statt Knobeln als Gehirnjogging der neuen Art.





