Nach Vokabelpauken könnte ein Video mit schrecklichen Szenen helfen, das Erlernte besser im Gedächtnis zu behalten. Das legt zumindest eine Studie nahe, über die amerikanische Forscher auf einem Treffen der “Society for Neuroscience” in Orlando berichteten.
Die Wissenschaftler ließen Versuchspersonen eine Liste von Wörtern auswendig lernen. Anschließend zeigten sie den Probanden ein blutiges Video über das Ziehen von Zähnen oder einen harmlosen Film zur Mundpflege. Die Gruppe, die sich das blutige Video ansehen musste, konnte sich anschließend deutlich besser an die Wortliste erinnern.
Der Anblick des blutigen Zähneziehens hat wahrscheinlich ein Angstzentrum im Gehirn aktiviert, den so genannten Mandelkern. Der hat enge Verbindungen zum Hippocampus, in dem neue Erinnerungen Eingang in das Gehirn finden. Die gerade im Hippocampus abgelegte Wortliste hat von der anschließenden Aktivierung der Hirnregion durch das Schockvideo offenbar profitiert, erklären die Forscher um Kristy Nielson von der Marquette-Universität in Milwaukee.
Die Beobachtungen bestätigen eine alte These der Hirnforschung, nach der starke Gefühle den Lernerfolg verbessern. Bisher ist man allerdings davon ausgegangen, dass die Gefühle auch etwas mit dem neu zu Erlernenden zu tun haben müssten. Bei den Versuchen von Kristy Nielson und ihren Kollegen hatte die Wortliste aber überhaupt keinen Bezug zum Zähneziehen. Offenbar reichen die Emotionen allein schon aus, um dem Gedächtnis einen Kick zu geben.
ddp/bdw – Andreas Wawrzinek





