Huu-hu-huhuhuhuu“ schallt der Paarungsruf eines Waldkauzes (Strix aluco) durch die Dunkelheit. Er sucht nach seiner Partnerin, die über den Sommer getrennt von ihm unterwegs war. Die Chancen für eine Wiedervereinigung stehen gut, denn Eulen haben individuelle Stimmlagen und Gesänge, an denen sie sich erkennen können. Und nicht nur das, ihre Lautäußerungen verändern sich je nach Lebenslage. So hat die niederländische Eulenspezialistin und frühere klassische Musikerin Marjon Savelsberg über mehrere Jahre Audioaufnahmen von Uhus (Bubo bubo) für ein detailliertes Gebietsmonitoring erstellt. Ihr geschultes Musikergehör und die „Klangpartituren der Natur“, wie sie die bildlichen Darstellungen der akustischen Signale nennt, ermöglichten ihr, das geheime Leben der nachtaktiven Tiere zu enträtseln. Sie stellte etwa fest, wie viele Tiere es in dem überwachten Gebiet gab, welche Paare sich fanden, wann die Brut startete und wie viel Nachwuchs groß wurde. Wobei sich die Stimmen von…
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Text: Emma Koska
Huu-hu-huhuhuhuu“ schallt der Paarungsruf eines Waldkauzes (Strix aluco) durch die Dunkelheit. Er sucht nach seiner Partnerin, die über den Sommer getrennt von ihm unterwegs war. Die Chancen für eine Wiedervereinigung stehen gut, denn Eulen haben individuelle Stimmlagen und Gesänge, an denen sie sich erkennen können. Und nicht nur das, ihre Lautäußerungen verändern sich je nach Lebenslage. So hat die niederländische Eulenspezialistin und frühere klassische Musikerin Marjon Savelsberg über mehrere Jahre Audioaufnahmen von Uhus (Bubo bubo) für ein detailliertes Gebietsmonitoring erstellt. Ihr geschultes Musikergehör und die „Klangpartituren der Natur“, wie sie die bildlichen Darstellungen der akustischen Signale nennt, ermöglichten ihr, das geheime Leben der nachtaktiven Tiere zu enträtseln. Sie stellte etwa fest, wie viele Tiere es in dem überwachten Gebiet gab, welche Paare sich fanden, wann die Brut startete und wie viel Nachwuchs groß wurde. Wobei sich die Stimmen von Eulenmännchen einfacher unterscheiden lassen als die von Weibchen, sagt Savelsberg. Vielleicht, weil ein Eulenmann stimmlich mehr glänzen muss, um die Damenwelt zu beeindrucken? Dabei treibt der Sägekauz den Balzgesang ins Extreme. 112 Rufe pro Minute hat der Forscher David Johnson aufgezeichnet. Kommt ein Weibchen ins Revier, steigert der Kauz seine Rufe sogar auf bis zu 260 pro Minute. Bleiben die Weibchen jedoch aus oder kann er keines überzeugen, zu bleiben, ruft der Kauz die ganze Nacht und ist am Morgen heiser. Mit Glück muss er nur wenige Nächte rufen, mit Pech wochenlang.
Familiengründung
Hat sich ein Paar gefunden, geht es an die Nistplatzsuche. Die meisten Eulenarten bauen keine Nester, sondern besetzen vorhandene Hohlräume. Viele nisten in Baumhöhlen, diese sind natürlich durch Astbruch oder Fäulnis entstanden, oder ein Specht hat vorgearbeitet. Waldohreulen ziehen gerne in alte Krähennester. Die Schleiereule hat sich zu einem Gebäudebrüter entwickelt und nutzt Nischen in Kirchtürmen oder Scheunen. Nicht alle können jedoch hoch hinaus. Der in offenen Wiesen und Mooren lebenden Sumpfohreule etwa bleibt nichts anderes übrig, als im hohem Gras und in geschützten Mulden zu nisten. Sie ist die einzige Eule Europas, die sich ihr Nest selber baut. In der baumlosen amerikanischen Prärie sind es die Kaninchenkäuze, die sich am Boden einrichten müssen. Sie graben sich Höhlen oder mieten sich in den weitverzweigten Höhlen der Präriehunde ein. Die Brutkammer ist bis zu einem Meter unter der Erde und wird durch einen Gang erreicht, der bis zu drei Meter lang sein kann. Für die Brutzeit bilden Kaninchenkäuze mit anderen Brutpaaren lockere Kolonien, was unter sonst meist als Einzelgänger oder Paar lebenden Eulen eher ungewöhnlich ist. Kaninchenkauz-Paare können eine Brutsaison lang zusammenbleiben oder sich lebenslang treu sein. Gelegentlich können Männchen auch in einer Brutsaison zwei Partnerinnen haben.
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Andere Arten sind festgelegter: Die Sumpfohreule lebt in saisonaler Monogamie, für jede Brutsaison finden sich neue Paare zusammen, auch Sperbereulen oder Sperlingskäuze halten es so. Schleiereulen binden sich meist lebenslang, bei rund 25 Prozent kommt es allerdings zu einer „Scheidung“. Die Eulen trennen sich, wenn es mit dem Nachwuchs nicht klappt oder zu wenig Eier gelegt werden. Meist verlässt das Weibchen das Nest, ob freiwillig oder nicht, lässt sich nicht sagen. Junge Männchen trennen sich häufiger von ihren Partnerinnen als ältere.
Bei „glücklichen“ Paaren hingegen kann der Tod eines Partners dazu führen, dass der Überlebende eine Weile oder überhaupt nicht mehr frisst und sogar verhungert.
Auch beim Waldkauz ist die Partnerschaft fürs ganze Leben angelegt. Haben sich die Partner im Herbst wiedergefunden, lockt das Männchen seine Angebetete mit dumpfen Kollerlauten zu verschiedenen möglichen Bruthöhlen und die Dame wählt. Legebeginn ist je nach Witterung etwa im März. Beim Weibchen wird ein Teil des Bauches durch einen Hormonschub entfedert. Das gibt es bei vielen Vögeln und hat den Effekt, dass die Eier direkt mit der warmen Haut in Kontakt kommen. Damit die sonst durch die Federn geschützte Haut nicht aufscheuert, wird durch eine Vermehrung der weißen Blutzellen die Haut des Brutfleckes runzelig.
Strategien für den Nachwuchs
Bei vielen Eulenarten beginnen die Weibchen schon beim ersten gelegten Ei mit dem Bebrüten. Dadurch schlüpfen die Jungen asynchron, in zeitlichen Abständen nacheinander. Das Erstgeborene wird oft auch intensiver gefüttert als seine jüngeren Geschwister, so wird dieses zuerst groß und kräftig. Wenn das Nahrungsangebot knapp wird, sterben die Jüngsten und Kleinsten zuerst, das Erstgeborene dagegen hat die besten Überlebenschancen. Das Waldkauzweibchen etwa legt zwei bis vier Eier, manchmal mehr, in zwei- bis dreitägigem Abstand. Oft beginnt es schon beim ersten Ei mit der Bebrütung, die pro Ei etwa 28 bis 29 Tage dauert.
Bei den Kalifornienzwergkäuzen (Glaucidium californicum) läuft es jedoch anders. Das Weibchen legt alle ein bis anderthalb Tage ein Ei, und erst nachdem alle Eier abgelegt wurden, setzt es sich darauf und fängt an, zu brüten. So entwickeln sich alle Jungen gleichmäßig und schlüpfen gleichzeitig. Warum sich dies bei den Kalifornienzwergkäuzen durchsetzte, liegt möglicherweise an beständigeren Nahrungsquellen. Sie ernähren sich viel von kleinen Vögeln, deren Populationen im Allgemeinen weniger schwanken als bei den sonst von Eulen mehr bevorzugten Nagetieren. Es kann aber auch mit einer geringeren Gefahr durch potenzielle Fressfeinde zusammenhängen. Kalifornienzwergkäuze sind in ihren kleinen Nisthöhlen gut geschützt.
Wenn die Weibchen mit der Brut beschäftigt sind, sind Waldkauzmännchen als mutige Verteidiger ihres Nests bekannt. Doch da Eulenweibchen meist größer als die Männchen sind, sind sie als Verteidiger des Brutplatzes grundsätzlich besser geeignet.
Die Schnee-Eule (Bubo scandiacus) ist eine der aggressivsten Eulenmütter. Entdeckt sie eine potenzielle Gefahr, versucht sie zwar auch Ablenkungsmanöver, indem sie sich in gewisser Entfernung des Nests auf den Boden niederlässt. Kommt jedoch ein potenzieller Feind dem Nest zu nahe, greift die große Schnee-Eule mit scharfen Klauen und spitzem Schnabel an.
Aber auch kleine Arten wie die amerikanischen Kaninchenkäuze haben erfolgreiche Verteidigungsstrategien. Nähert sich ein Feind den Jungen in der Höhle, imitieren die Kaninchenkäuze den Warnlaut einer Klapperschlange. Das nennt sich Bates´sche akustische Mimikry. Dabei ahmt eine ungefährliche Spezies die Geräusche einer gefährlichen Spezies nach.
Nicht immer können die Altvögel den Nachwuchs auf Dauer schützen. Hat eine junge Eule die ersten Strapazen des Lebens überstanden und ist in der Lage, ihre Körpertemperatur selbst zu regulieren, ist es Zeit für den Abschied. Eine in einer Baumhöhle groß gewordene Eule wird dann zu einem Ästling. Sie klettert aus dem Nest und erkundet Stück für Stück ihre neue Umgebung. Vermutlich hat sich diese Phase entwickelt, damit die Kleinen abseits vom Nest ungestört wachsen und ihre Flügel ausbreiten können. Es dauert mehrere Tage oder Wochen, bis die Jungen fliegen können. Kalifornienzwergkäuze lernen dies allerdings innerhalb von wenigen Stunden. Wie es die jungen Käuze schaffen, so schnell abheben zu können, ist noch ein wissenschaftliches Rätsel.
Die jungen Ästlinge werden von ihren Eltern noch etwa einen Monat weitergefüttert. Damit die im Baum wartenden Kleinen gefunden werden, machen sie lautstark auf sich aufmerksam.
Flexibel und perfekt angepasst
In vielen Teilen der Erde bricht irgendwann die kalte Jahreszeit an, Strigiformes (die Ordnung der Eulen) haben dann ganz unterschiedliche Strategien. So bleiben etwa der Waldkauz, der Steinkauz, der Streifenkauz oder der Fleckenkauz mehr oder weniger ihr Leben lang am selben Ort. Sumpfohreulen und Kaninchenkäuze fliegen ins Warme, wo es mehr Nahrung für sie gibt. Bei den kleinen Sägekäuzen kommt es auf darauf an, wo sie leben. Vor allem nördliche Populationen, etwa in Südalaska, ziehen im Herbst nach Süden.
In Kikinda, einer kleinen Ortschaft in Serbien, überwintern seit Jahrzehnten von Oktober bis März Tausende Waldohreulen. In Gruppen lassen sich die etwa 40 Zentimeter großen Eulen in den Nadelbäumen des Stadtzentrums nieder. Was inzwischen zur Touristenattraktion wurde, hat wohl einen traurigen Hintergrund. Die Wälder in dem Gebiet wurden abgeholzt, die Eulen vielfach bejagt, so blieb den Eulen nur der Rückzug in die Bäume der Stadt. Diese ist inzwischen Naturschutzgebiet. Die Einwohner profitieren von der Asio otus als fleißiger Helferin gegen Ungeziefer und Nagetiere sowie von dem Geschäft mit den Touristen. Unter den Bäumen sammeln sich allerdings die Gewölle mit den unverdaulichen Mäuseresten, was manche der Gäste doch eher eklig finden.
Wie in vielen Kulturen, hatten Eulen früher auch bei den Bewohnern von Kikinda ein schlechtes Image als Vorboten des Todes. Ein Hausbewohner würde sterben, wenn sich eine Eule auf dem Dach niederlasse, hieß es. Doch Kikinda liefert den Gegenbeweis: Würde der Aberglaube stimmen, wäre Kikinda längst ausgestorben, hat doch jedes Dach der Stadt inzwischen mindestens einmal Besuch von einer Eule bekommen. Stattdessen ist die Stadt sehr lebendig und ein wahres Eldorado für Eulenfans.
Eulen können nicht nur ihr Verhalten sehr flexibel anpassen, auch ihre körperlichen Merkmale können an verschiedene Bedingungen angepasst und je nach Art unterschiedlich ausgeprägt sein. Die größten Arten wie der Uhu (Bubo bubo), werden über 70 Zentimeter groß und bis zu vier Kilogramm schwer. Die kleinste Eule Mitteleuropas, der Sperlingskauz (Glaucidium passerinum), wird nur knapp 20 Zentimeter groß, und der als kleinste Eule weltweit geltende Elfenkauz (Micrathene whitneyi) ist mit seinen rund 14 Zentimetern in etwa so groß wie ein Kiefernzapfen und wiegt gerade mal 25 Gramm.
Vertreter der Eulen sind auf allen Kontinenten außer der Antarktis anzutreffen. Eulen sind klein, groß, braun, grau und weiß. Sie heißen Eule, Kauz und Uhu. Sie sind laut und leise. Sie greifen aus der Luft an, ein Steinkauz kann aber auch am Boden so schnell rennen, dass er eine Feldmaus einholen kann. Manchmal jagen Eulen am Tag, vor allem aber, wenn die Sonne verschwunden ist.
Eulen befinden sich in der Mitte der Nahrungskette. Sie fressen kleinere Tiere und werden von den größeren selbst gefressen. Ihr Beutespektrum reicht von kleinen Insekten bis zu jungen Hirschen. Der Riesenkauz (Ninox Strenua), die größte Eule Australiens, frisst etwa 300 Kusus im Jahr und kann die Beutelsäuger in weniger als 20 Sekunden verschlingen. Der kleine Brasilzwergkauz fliegt so schnell, dass er es schafft, einen Kolibri in der Luft zu fangen.
Als Jäger der Nacht nehmen Eulen eine einzigartige Nische im Vogelreich ein. Von den heute rund 11.000 lebenden Vogelarten verfügen nur wenige Hundert über die Anpassungen, die für die Jagd im Dunkeln nötig sind: stäbchenreiche Netzhäute für eine gute Nachtsicht, weiche Federn, die einen leisen Flug ermöglichen, asymmetrische Ohren und Gesichtsscheiben für ein verbessertes Gehör. Die Ohren liegen bei Eulen seitlich am Kopf – Schlitze, die sich von der Oberseite des Kopfes bis zum Kieferknochen ziehen. Größe und Lage der Ohren sind je nach Spezies unterschiedlich, abhängig davon, wie sehr sich die Beutegreifer auf ihr Gehör verlassen müssen, ob sie im Abendlicht oder in kompletter Dunkelheit jagen und wie gut sich ihre Beute verstecken kann.
Der Bartkauz (Strix nebulosa) beispielsweise hat einen Kopf, der für das Hören gemacht ist. Seine Gesichtsscheibe, die ringsum mit Federn bedeckt ist, fängt, ähnlich der Ohrmuschel beim Menschen, den Schall ein. Wird eine potenzielle Nahrungsquelle fixiert, öffnet sich die Gesichtsscheibe wie ein „Auge“, sodass mehr Schall eintreten kann. „Es ähnelt der Art und Weise, wie ein Hund seine Ohren drehen kann, um den Klang abzustimmen“, so Christopher J. Clark von der University of California in Riverside. Er und sein Kollege Jim Duncan haben die Fähigkeit der Bartkäuze erforscht, Mäuse und andere Beutetiere unter einer dicken Schneedecke zu erjagen. Duncan hatte zuvor festgestellt, dass Bartkäuze im Laufe des Winters immer dicker wurden, und sich gefragt, wie sie sich dem Winter von Manitoba angepasst haben, um selbst im Schnee so erfolgreich bei der Jagd sein zu können.
Das Hörsystem eines Bartkauzes, der seine Beute – meist Wühlmäuse – unter einer geräuschdämpfenden Schneedecke jagt, muss sehr stark und präzise sein. Die genaue Standortbestimmung der Beutetiere ist für einen Fang ausschlaggebend. Dafür benötigt der Bartkauz die asymmetrische Anordnung seiner Ohröffnungen, bei der das eine Ohr höher angesetzt ist als das andere. Dadurch sind die an beiden Ohren eintreffenden Schallwellen zeitlich und im Volumen so unterschiedlich, dass darüber der Schnittpunkt ermittelt werden kann, an dem sich die Beute befindet. Zudem ist der Bartkauz durch die größte Gesichtsscheibe aller Vögel für die Jagd auf Wühlmäuse perfektioniert, er kann damit ihre Grab- und Kaugeräusche auffangen. Wie alle Eulen haben Bartkäuze geräuschdämpfende Flügel. Dank ihrer sehr langen gefransten Federn gehören Bartkäuze jedoch zu den am leisesten fliegenden Eulen. So können sie sich voll auf die Geräusche der Wühlmäuse konzentrieren.
Während die meisten Eulen direkt auf ihre Beute zufliegen, schwebt diese Art einen Moment knapp über einem Zielgebiet, bevor sie sich nach unten fallen lässt und mit ihren Krallen durch den Schnee schlägt. Durch dieses Schweben korrigiert die Eule die durch den Schnee entstehende akustische Verzerrung des Schalls und findet den Punkt direkt über der Beute. „Die Entfernung, die der Schall nur über ihm zurücklegen muss, ist kürzer, und es gibt weniger Schnee, durch den der Ton wandert“, sagt Clark. „Das hilft den Eulen definitiv, dort zu landen, wo sie hinmüssen.“
Müssen sich Arten bei der Jagd weniger stark an Geräuschen orientieren, ist ihre Gesichtsscheibe kleiner und weniger ausgeprägt. Bei den Fischuhu-Arten (Gattung: Ketupa) ist sie sogar stark zurückgebildet.
Sein Jagdgebiet befindet sich, da er nur Fische frisst, an lauten Bach- und Flussläufen. Auch werden Geräusche von der Oberfläche des Wassers reflektiert. Ein zu sensibles Gehör wäre für den Uhu irreführend und würde nur von der Beute ablenken.
Schnee-Eulen ernähren sich vor allem von Lemmingen, wie eine große Übersichtsstudie des Owl Research Instituts in Charlo, Montana, ausweist. Haben die Lemminge ein starkes Jahr, brüten die Schnee-Eulen, so viel sie können. Ist der Bestand der Lemminge schwach, wird auch weniger gebrütet. Denver Holt erforscht seit über 30 Jahren die Brutgewohnheiten der Eulen und überwacht dazu die Lemmingbestände. Er hat dokumentiert, wie schnell die Schnee-Eulen auf die Zahl der vorhandenen Lemminge reagieren können.
Insektenfressende Eulen wie die Streifenkäuze, Kreischeulen und Kaninchenkäuze siedeln sich heute oft in städtischen Gebieten an. Sie haben gelernt, dass die unablässig leuchtenden Straßenlaternen massenweise Insekten anziehen. Eine Studie des Max-Planck-Instituts für biologische Intelligenz verglich das Genom von Kaninchenkäuzen (Athene cunicularia), die in südamerikanischen Städten lebten, mit dem von Landbewohnern. Die Stadtvögel besaßen bereits in 98 Genen neue Varianten, die für kognitive Funktionen im städtischen Leben notwendig sind. Die schnelle Anpassung an so stark veränderte Lebensräume gibt Hoffnung in einer sich so rasant wandelnden Welt. Die Strigiformes konnten sich im Laufe der Evolution an ihre Umgebung anpassen und einige sehr spezifische Merkmale entwickeln. Eine Eule ist zwar eine Eule, aber auch oft anders als andere Eulen. Die Ausnahmen bestätigen die Regel.
Auch der Perukauz (Xenoglaux loweryi) ist anders. Mit 14 Zentimetern gehört er zu den weltweit kleinsten Eulen und ist sehr selten. Die erst in den 1960er-Jahren in den Anden entdeckte Art wurde in eine eigene Gattung zugeordnet. Nicht nur optisch unterscheidet sich der Kauz durch seine langen Tasthaare und die Stummelflügel von anderen Eulen, auch molekulargenetisch wurde seine Andersartigkeit festgestellt. Der Namensteil „Xeno“ (griechisch: fremd) verweist auf diesen Unterschied, der zweite Namensteil ehrt den Entdecker des Kauzes, den Ornithologen George Lowery.
Weltweit sind heute mehr als 200 Eulenarten bekannt. In Deutschland sind 10 der 13 in Europa vorkommenden Arten heimisch, alle sind besonders geschützt. Eulen sind zwar Meister der Anpassung, doch diese braucht Zeit. Je angepasster eine Tierordnung jedoch insgesamt ist, desto zahlreicher und variabler sind ihre Arten. All diese gilt es zu schätzen und zu schützen. //
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