Text: Theresa Küchle
Sonnenbeschienene Panels, darunter eine saftige Wiese mit bunten Blumen – mit solchen Bildern werben Energieunternehmen für ihre Solarparks. Doch zumindest die Bauphase ist von dieser Romantik weit entfernt: Um später klimaschonenden Strom produzieren zu können, wird zunächst Natur zerstört. Teils werden auf Hunderten von Hektar Fläche Pflanzen entfernt, Bodenschichten abgetragen oder verdichtet, Bäume gefällt und Flächen versiegelt. Danach ist alles anders und bleibt es auch: Die Solarpanels verschatten dauerhaft Bodenflächen, verändern die Verteilung des Regenwassers und greifen in das bodennahe Mikroklima ein. Ist ein solch starker Eingriff zu verantworten?
Ein gesunder Boden ermöglicht gesundes Pflanzenwachstum, speichert Wasser, baut Schadstoffe ab und bietet Lebensraum für Tiere. Wir Menschen sind auf gesunde Böden angewiesen, etwa für die Nahrungsmittelproduktion. Im Gebiet der Europäischen Union sind heute 60 bis 70 Prozent der Böden nicht mehr so gesund, dass sie das alles leisten können. Es ist daher höchst bedenklich, Böden zusätzlich zu belasten.
Eine kleine Entwarnung vorweg: Am schlimmsten für Böden ist eine komplette Versiegelung. Da die Solarpanels aber nicht direkt auf dem Boden angebracht werden, wird im Schnitt nur eine Fläche von unter einem Prozent versiegelt. Die Berechnung schließt dabei nicht nur die Gestelle selbst ein, sondern auch die nötige Flächenversiegelung für den Bau von Transformatoren, Wechselrichtern oder Batteriespeichern. Fast aller Boden bleibt also erhalten. Doch was passiert mit den riesigen Flächen unter den Panels?
Veränderter Wasserhaushalt
Solarpanels verhindern die direkte Sonneneinstrahlung auf Boden und Pflanzen. Sie beeinflussen damit deren Temperatur und so deren Verdunstung von Wasser. Standort und Neigung der Panels bestimmen außerdem, wo Regenwasser auf Pflanzen und Boden auftrifft. Dadurch ist der Boden je nach Lage unterschiedlich feucht. Direkt unter der Tropfkante ist er am feuchtesten. Im Bereich zwischen den Panelreihen gibt es kaum Unterschiede zu Vergleichsflächen ohne Solarpanels, vorausgesetzt die Lücken sind ausreichend groß, damit Niederschlag möglichst gleichmäßig auf den Boden auftrifft. Ob es direkt unter den Panels feuchter oder trockener ist, wird auch stark von den allgemeinen klimatischen Bedingungen der Region bestimmt.
Messdaten und Simulationen deuten allerdings darauf hin, dass die Bodenflächen nach einer Installation von Solarpanels insgesamt schlechter Wasser aufnehmen können. Vermutlich tragen Instandhaltungsarbeiten an den Panels oder Mäharbeiten dazu bei, den Boden zwischen den Panels durch Fahrzeuge und Maschinen zu verdichten und damit wasserundurchlässiger zu machen. Abfließendes Wasser erodiert jedoch den Boden und Wind kann den Effekt noch verstärken – wobei die Winddynamik durch die Ausrichtung der Panels ebenfalls beeinflusst wird. Kommt es zu Bodenerosion, betrifft diese besonders den nährstoffreichen Oberboden, was sich negativ auf die Vegetation auswirkt. Da die Wassermengen mit den Sedimenten in umliegende Ökosysteme abfließen, verändern sich auch diese.





