Winzige Röhrchen und Filamente
Jetzt jedoch haben Dodd und seine Kollegen möglicherweise noch deutlich ältere Lebensspuren entdeckt. Fündig wurden sie bei Analysen von Gesteinsproben aus dem sogenannten Nuvvuagittuq-Gesteinsgürtel in Quebec. Diese an der Küste Kanadas liegende Gesteinsformationen werden auf ein Alter von 3,7 bis vielleicht sogar 4,28 Milliarden Jahre datiert, wie die Forscher berichten. Der Nuvvuagittuq-Gürtel umfasse damit eine der ältesten, wenn nicht sogar die älteste eisenhaltige Gesteinsformation der Erde. Zum Zeitpunkt ihrer Entstehung lag sie unter Wasser und war vermutlich Teil eines Felds von hydrothermalen Schloten. “Diese Gesteine bestehen zum größten Teil aus Silikaten und aus Hämatit, einer Eisenverbindung”, erklärt Dodds Kollege Dominic Papineau. “Solche Mineralkombinationen finden wir heute in der Umgebung von hydrothermalen Schloten.” Als die Wissenschaftler Proben dieser Gesteine näher untersuchten, entdeckten sie ungewöhnliche Strukturen. Dabei handelt es sich um winzige Röhrchen und Filamente aus Hämatit, die nur halb so dick sind wie ein menschliches Haar, aber bis zu einem halben Millimeter lang. Viele dieser Röhrchen bilden Gruppen von gleich ausgerichteten Fäden, einige sind dabei verzweigt, andere nicht.
“Die Morphologie und Zusammensetzung dieser Strukturen ähnelt der von Filamenten, die noch heute an einigen weniger heißen hydrothermalen Schloten gefunden werden”, berichten Dodd und seine Kollegen. “Von diesen wissen wir, dass sie von eisenoxidierenden Bakterien produziert werden.” Könnten demnach auch die Hämatit-Filamente aus der Nuvvuagittuq-Formation biogenen Ursprungs sein? Um das zu prüfen, analysierten die Forscher die genaue Zusammensetzung der fossilen Filamente unter anderem mit Hilfe der Raman-Spektroskopie und der Laserablation. “Wir haben die strengsten, robustesten Ansätze genutzt, um zu testen, ob diese Mikrofossilien vielleicht doch nichtbiologische Strukturen sind”, betont Papineau. Doch die Tatsache, dass die Hämatitröhrchen mit den Mineralien Apatit und Karbonat zusammen auftreten, ist nach Angaben der Forscher ein Indiz dafür, dass hier Organismen am Werk gewesen sein müssen. Auch die im Umfeld der Hämatitröhrchen gefundenen Eisenoxid-Körnchen und Karbonat-Rosetten sind ihrer Ansicht nach Indizien für einen biogenen Ursprung dieser Strukturen.
“Zusammengenommen sprechen diese Beobachtungen dafür, dass schon vor mehr als 3,7 Milliarden Jahren in diesen hydrothermalen Umgebungen biologische Aktivität gab”, konstatieren Dodd und seine Kollegen. Folgt man dem maximalen Alter des Nuvvuagittuq-Gürtels, könnten diese Lebensspuren sogar mehr als vier Milliarden Jahre alt sein. “Sie stammen damit möglicherweise aus einer Zeit nur wenige hundert Millionen Jahre nach der Entstehung des Sonnensystems und des Planeten Erde”, sagt Papineau.





