Wenn es um die Zusammenarbeit mit anderen geht, haben Menschen einen Hang zur goldenen Mitte: Eine Art psychologische Sicherung verhindert sowohl ein zu eigennütziges Verhalten als auch die vorbehaltlose Kooperation mit anderen. Das haben britische Forscher in einem Experiment herausgefunden, in dem die Teilnehmer Geld für ein gemeinsames Projekt spenden konnten. In einer Variante des Tests konnten die Probanden durch eine Kooperation ihren Einsatz um ein Viertel steigern, in einer folgenden Wettbewerbsrunde drohte bei einer Zusammenarbeit dagegen die Halbierung. Die Spieler zeigten eine deutliche Neigung dazu, extreme Handlungsweisen zu vermeiden, die bei negativem Ausgang schwerwiegende Konsequenzen für den Akteur haben. Diese Sicherung birgt aber auch das Risiko einer Fehlentscheidung in einer Situation, die positive Auswirkungen auf den Handelnden besitzt.
Um dem Verhältnis von Selbstsucht und Selbstlosigkeit auf die Spur zu kommen, inszenierten die Wissenschaftler ein Computerspiel mit dem Ziel, möglichst viel Geld zu gewinnen. 96 Frauen und 72 Männer nahmen an einem Spiel teil, indem sie in mehreren Runden mit jeweils drei anderen Probanden eine Gruppe bildeten. Für jede Runde erhielt jeder Teilnehmer eine bestimmte Menge an Spielgeld und musste sich entscheiden, welchen Betrag er einem Projekt spendet, das dann dem Gemeinwohl zugutekam. Am Ende jeder Runde wurde den Spielenden eine Belohnung ausgezahlt: Die von allen Teilnehmer gespendete Summe wurde gleichwertig aufgeteilt, wer nichts gespendet hatte, erhielt trotzdem seinen Anteil. Eine Kooperation unter den Teilnehmern wirkte sich dabei also negativ auf den Gewinn des einzelnen aus.
In einer modifizierten Variante des Spiels konnten die Probanden ihren Gewinn dagegen maximieren, sofern sie hundertprozentig mit den anderen kooperierten. Obwohl die Zusammenarbeit unter den Spielern im Vergleich zur Kontrollrunde zunahm, gab es dennoch keine uneingeschränkte Kooperation: Zwischen 66 und 94 Prozent der Testpersonen sahen in ihren Mitspielern immer noch Konkurrenten. Selbst in der letzten gespielten Runde spendeten zwischen 28 und 65 Prozent der Teilnehmer noch immer nicht den vollen Betrag, obwohl eine nur geringe Spendensumme auch nur eine geringe Auszahlung bedeutete. Die Wissenschaftler erklären diesen Effekt mit einer Art psychologischem Absicherungsmechanismus: Durch ihr unschlüssiges Verhalten verhinderten die Teilnehmer eine Alles-oder-Nichts-Handlungsweise. Sie spendeten einen höheren Betrag, um selbst mehr ausgezahlt zu bekommen, gaben jedoch nicht den vollständigen Betrag her, um ihre Konkurrenten nicht zu begünstigen. Diese psychologische Faustregel verhindert zwar negative Konsequenzen, kann aber auch einen Preis fordern, wie im Spiel deutlich zu sehen war, so die Forscher.
Rolf Kümmerli (University of Edinburgh) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, doi: 10.1073/pnas.1000829107 ddp/wissenschaft.de ? Gwydion Brennan





