Was könnte öder sein, als dem Gras beim Wachsen zuzuschauen? Vielleicht eine Schnecke beim Fressen zu beobachten? Einspruch! Elisabeth Tova Bailey braucht nur wenige Seiten, um den Leser zu überzeugen, wie spannend das ist. Mancher wird sich wohl bei dem Gedanken ertappen, so ein Experiment einmal selbst versuchen zu wollen.
Der Anlass für die amerikanische Gärtnerin und Journalistin, dieses Buch zu schreiben, war eine langwierige Infektionskrankheit, die sie ans Bett fesselte. Zu schwach, sich zu bewegen, zu geräuschempfindlich, um Radio zu hören, blieb ihr monatelang nur der Blick auf einen Blumentopf, in dem eine Schnecke tagsüber schlief und nachts auf Futtersuche ging. Bailey folgte ihr mit den Augen, hörte dem Raspeln ihrer zahnbesetzten Zunge zu und ließ die Gedanken wandern. Das Ergebnis sind bewegende philosophische Betrachtungen über das Wesen der Schnecke und die Sehnsucht, doch wenigstens wieder einmal so aktiv sein zu dürfen wie sie.
Als Elisabeth Tova Bailey endlich wieder ein Buch in der Hand halten kann, liest sie sich durch alles – biologische, ökologische, poetische Bücher –, was sie über Schnecken finden kann und bringt es in ihr Buch ein. Allein die wunderbaren japanischen Kurzgedichte, die Haikus, am Anfang der Kapitel machen es zu einer Wohlfühllektüre. Jürgen Nakott
Elisabeth Tova Bailey DAS GERÄUSCH EINER SCHNECKE BEIM ESSEN Nagel & Kimche im Carl Hanser Verlag München 2012, 176 S., € 16,90 ISBN 978–3–312–00498–0 E-Book für € 12,99 ISBN 978–3–312–0 0530–7





