Die Augen mancher Menschen gewöhnen sich extrem schlecht an plötzliche Wechsel der Lichtverhältnisse. Dieser langsamen Adaptation liegt ein genetischer Defekt zugrunde, hat ein internationales Forscherteam herausgefunden. Über ihre Studie an fünf Patienten berichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Nature (Bd. 427, S. 75).
Menschen mit diesen Schwierigkeiten sind für etwa fünf bis zehn Sekunden völlig blind, wenn sie plötzlich mehr oder weniger Licht zur Verfügung haben. Erst dann fangen ihre Augen an, sich an die neuen Bedingungen zu gewöhnen. Die gesamte Netzhaut und die allgemeine Sehfähigkeit der Betroffenen funktioniert jedoch weitgehend unverändert. Das Team um Thaddeus Dryja von der Harvard-Universität in Boston untersuchte nun das Erbgut fünf nicht miteinander verwandter Patienten auf mögliche Veränderungen.
Alle Studienteilnehmer zeigen Mutationen in einem Gen, das Informationen für ein bestimmtes, in Sehprozesse eingebundenes Enzym namens RGS9 trägt. Dieses veränderte RGS9-Gen ist offensichtlich für die Adaptationsprobleme verantwortlich, schreiben die Forscher. Durch den genetischen Defekt ist die Fähigkeit der lichtempfindlichen Zellen in der Netzhaut gestört, schnell auf Lichtveränderungen zu reagieren. Die Wissenschaftler haben die Störung nun “Bradyopsie” genannt, was so viel bedeutet wie “Langsames Sehen”.
ddp/bdw ? Cornelia Pfaff





