Seit den 1990er Jahren ist die Insektenbiomasse hierzulande selbst in Naturschutzgebieten um drei Viertel zurückgegangen, wie eine Langzeitstudie im Jahr 2017 enthüllte. Durch die sinkenden Bestände geraten mehr und mehr Insektenarten auf die Roten Liste. So sind etwa 87 Prozent der Wasserkäfer bestandsgefährdet oder sogar bereits ausgestorben. Dasselbe gilt für jede dritte Heuschrecken- und jede fünfte Schmetterlingsart. Das Insektensterben hat verheerende Auswirkungen für Ökosysteme. Ohne Insekten fehlen den Pflanzen die Bestäuber und den Vögeln die Nahrung. Einer der wichtigsten Treiber des Insektenrückgangs ist die intensive Bewirtschaftung von Ackerflächen, bei der giftige Pestizide gespritzt werden.
Daten aus 21 deutschen Naturschutzgebieten
Ein Forschungsteam um Sebastian Köthe vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat nun untersucht, wie die Insektenvielfalt in Naturschutzgebieten mit der landwirtschaftlichen Aktivität in angrenzenden Ackerflächen zusammenhängt. Dafür sammelten die Wissenschaftler deutschlandweit Proben in 21 verschiedenen Naturschutzgebieten, die in direkter Nachbarschaft zu Ackerflächen liegen. Unter anderem stellten sie dort sogenannte Malaise-Fallen auf, also Zelte, in denen sich fliegende Insekten verirren und schließlich in ein Gefäß mit Ethanol gelangen. Der hochprozentige Alkohol tötet und konserviert sie. Die Wissenschaftler nutzten die Malaise-Fallen aber nicht nur, um die Insektenvielfalt zu ermitteln, sondern analysierten ebenso Pflanzenspuren und Pestizidrückstände, die durch die Insekten mit in den Ethanol getragen wurden.
Mithilfe von DNA-Analysen fanden die Wissenschaftler heraus, welche Insektenarten sich in die Fallen verirrt und welche Pflanzen beziehungsweise Pestizide sie dabei mitgebracht hatten. Dadurch konnten sie hochrechnen, wie vielfältig Insekten- und Pflanzenwelt in den entsprechenden Naturschutzgebieten waren und wie diese Vielfalt mit der Pestizidbelastung zusammenhing. Zusätzlich zu den Proben aus den Malaise-Fallen ließen Köthe und sein Team außerdem Klima- und Landschaftsdaten mit in ihre Analysen einfließen.
Pestizide von Ackerflächen gefährden Insekten
Das Ergebnis: Ackerflächen führen in den angrenzenden Schutzgebieten zu einem eindeutigen Rückgang der Insektenvielfalt. „Wir haben gesehen, dass es im Hinblick auf das weitere Umfeld der Schutzgebiete eine Korrelation zwischen einem hohen Anteil an Ackerflächen und niedriger Insektenvielfalt gibt“, berichtet Köthe. Das hängt damit zusammen, dass auf den Ackerflächen versprühte Pestizide tödlich für Insekten sein können und zum Beispiel mit dem Wind bis in die Naturschutzgebiete geweht werden. Je mehr Pestizide die Wissenschaftler in den Malaise-Fallen fanden, desto niedriger war dementsprechend die Insektenvielfalt in diesem Gebiet. Dabei war auch die Größe der Schutzzonen unerheblich: „Selbst große Naturschutzflächen im Umfeld eines Beobachtungsstandorts können die negativen Einflüsse der landwirtschaftlichen Flächen nicht kompensieren“, erklärt Köthe.





