Amseln, die in Städten leben, trällern in höheren Frequenzen als ihre Verwandten auf dem Lande. Bisher hatte man angenommen, sie tun das, damit sich ihr Gezwitscher deutlicher von den tieftonigen Verkehrsgeräuschen abhebt. Doch mit dieser Erklärung gaben sich Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Seewiesen und Radolfzell nicht zufrieden. Das Team um Projektleiter Henrik Brumm untersuchte deshalb Stadtamseln in Wien, Landamseln im angrenzenden Wienerwald und von Hand aufgezogene Amseln. Die Forscher fanden heraus, dass die Vögel in höheren Tonlagen lauter singen können, und dass Stadtamseln Frequenzen bevorzugen, in denen sie besonders laut trällern können.
Dann wollten die Ornithologen wissen, was besser geeignet ist, den Verkehrslärm zu übertönen: höhere oder lautere Vogelrufe. Es zeigte sich, dass die größere Lautstärke, die durch den hohen Gesang möglich wurde, um ein Vielfaches effektiver war, als die Tonhöhe an sich. Brumm fasst zusammen: „Indem die Stadtvögel hochfrequente Töne wählen, können sie lauter singen und so die akustische Überlagerung des Lärms aus der Umgebung abschwächen.” Mit ihrem Gesang locken die Amseln Partner an und markieren ihr Revier.





