Lachgas, wissenschaftlich auch Distickstoffmonoxid (N2O) genannt, gehört zu den langlebigen Treibhausgasen aus der Gruppe der Stickoxide. Es beeinflusst das Klima stärker als CO2 und Methan. Zudem schädigt es die Ozonschicht. Doch wie viel Lachgas gelangt in die Atmosphäre? Und wo kommt es her? Das hat nun eine internationale Forschungsgruppe um Hanqin Tian vom Boston College und dem Global Carbon Project umfassend untersucht. Dafür ermittelten die Wissenschaftler die jährlichen globalen Lachgas-Emissionen zwischen 1980 und 2020, sowohl aus natürlichen als auch menschgemachten Quellen. In die Analysen flossen Millionen Messdaten von Landflächen, Gewässern und aus der Atmosphäre ein.
Lachgas-Emissionen auf historischem Rekordhoch
Die Auswertung ergab, dass die Lachgas-Emissionen aus menschlichen Aktivitäten in dieser Zeit kontinuierlich und unvermindert gestiegen sind, insgesamt um 40 Prozent. Allein in 2020 wurden über zehn Millionen Tonnen Lachgas freigesetzt – ein historischer Rekord, wie das Team berichtet. Entsprechend sind auch die Lachkonzentrationen in der Atmosphäre zuletzt immer weiter gestiegen. 2022 lagen diese um 25 Prozent höher als vor der Industrialisierung, wie Tian und seine Kollegen feststellten. Damit befindet sich aktuell mehr Lachgas in der Atmosphäre als vom Weltklimarat IPCC vorhergesagt. Die Menge aus natürlichen Quellen hat sich in den vergangenen Jahrzehnten indes nicht verändert.
Das meiste menschgemachte Lachgas stammte aus der Landwirtschaft, wie die Daten zeigen. In den 2010er Jahren war dieser Sektor für 74 Prozent der Stickoxid-Emissionen verantwortlich. Vor allem über stickstoffreiche chemische Dünger und natürliche Düngemittel wie tierische Exkremente, die auf Felder ausgebracht wurden, gelangte das Lachgas in die Atmosphäre, wie Tian und seine Kollegen berichten. Die Länder mit dem größten Lachgas-Ausstoß waren dabei China, Indien, die USA, Brasilien, Russland, Pakistan, Australien, Indonesien, Türkei und Kanada.
Landwirtschaft muss ihre Emissionen senken
Die Wissenschaftler betonen, dass die Emissionen in China und dem einstigen Hauptverursacher Europa in den letzten Jahren bereits rückläufig waren. Diese Länder haben demnach erfolgreiche Richtlinien eingeführt, um den Ausstoß zu mindern. Dennoch steigen die Lachgas-Konzentration und -Emission weltweit weiter. „Während es in verschiedenen Regionen einige erfolgreiche Initiativen zur Stickstoffreduzierung gab, haben wir in diesem Jahrzehnt eine Beschleunigung der Akkumulation von Lachgas in der Atmosphäre festgestellt”, sagt Josep Canadell von der australischen Wissenschaftsbehörde CSIRO, der das Global Carbon Project leitet.
Das hat Folgen für die Erderwärmung und die gesetzten Klimaziele. „Dieser Emissionsanstieg findet in einer Zeit statt, in der die globalen Treibhausgase eigentlich schnell in Richtung Netto-Null-Emissionen sinken sollten, wenn wir die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels vermeiden wollen“, sagt Tian. „Die Lachgas-Emissionen aus menschlichen Aktivitäten müssen sinken, um den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu begrenzen, wie im Pariser Abkommen festgelegt.“ Dies sei die einzige Lösung, da es derzeit keine Technologien gibt, die Lachgas aus der Atmosphäre entfernen können. Um die Emissionen des Treibhausgases rechtzeitig zu senken, fordern die Forschenden daher rasche Änderungen in der Landwirtschaft, so dass weniger Düngemittel benötigt und verwendet werden.





