Es stellte sich heraus, dass beim Geschlechtsakt von Neotrogla tatsächlich die Weibchen huckepack auf den Männchen sitzen und ihnen dabei ihre Penisse in eine Vagina-artige Körperöffnung einführen. Nach der Penetration schwillt der weibliche Penis an und verankert sich mit speziellen Strukturen im Männchen. Damit sichern sich die Weibchen offenbar eine extrem stabile Verbindung, berichten die Forscher: Bei Versuchen, die beiden Tiere zu trennen, riss eher der Unterleib der Männchen ab, als dass der Penis aus seiner Verankerung rutschte.
Sex zur Nährstoffübertragung?
Die starke Bindung sorgt offenbar auch für die extreme Länge der Kopulation: Sie dauert 40 bis 70 Stunden, beobachteten Yoshizawa und seine Kollegen. Dabei nimmt der Penis des Weibchens Spermien auf, die das Männchen in seine Vagina abgibt. Aber nicht nur das: Die Forscher haben Hinweise darauf gefunden, dass auch nährstoffhaltige Substanzen an das Weibchen abgegeben werden. Vermutlich ist das der Grund für den bizarren Rollentausch bei Neotrogla, erklären die Forscher. Im kargen Lebensraum dieser Insekten könnte das Männchen seine Nachkommen auf diese Weise mit Startkapital versorgen.
Die Forscher wollen nun auch weiterhin die Rolle der Voyeure übernehmen, um das Paarungsverhalten Neotroglas noch genauer zu ergründen. Dabei könnten sich ihnen zufolge interessante Informationen für die Evolutionsbiologie ergeben. Beispielsweise welche Aspekte bei der sexuellen Auslese eine Rolle spielen, wie sich Interessenskonflikte zwischen Männchen und Weibchen auswirken und wie dann letztlich neue Eigenschaften entstehen. Nun soll der bizarre Sex der kleinen Insekten aber erst einmal für eine umfangreiche Labor-Population von Neotrogla sorgen, sagen die Forscher.





