Wenn Chinesische Weichschildkröten ( Pelodiscus sinensis) mal müssen, stecken sie ihren Kopf ins Wasser. Erstaunlich: Die Tiere geben dabei Harnstoff über die Mundschleimhaut ab, berichten Forscher um Yuen Ip von der National University of Singapore.
Die bis zu 25 Zentimeter große Chinesische Weichschildkröte lebt in brackigen Gewässern mit hohem Salzgehalt und verlässt normalerweise nur zur Eiablage und zum Sonnenbaden das Wasser ? und sie atmet über die Lunge. Deshalb rätselten Forscher bislang, welche Funktion kiemenartige Lamellen in ihrer Mundschleimhaut haben. Dazu kommt eine seltsame Marotte der Tiere: Müssen sie bei Trockenheit längere Zeit an Land verbringen, tauchen sie ihren Kopf immer wieder in Pfützen und bewegen dabei ihren Kehlkopf pumpend.
Um das Rätsel zu lösen, boten die Biologen den Schildkröten zum Kopftunken Wasserschälchen an, deren Inhalt sie anschließend untersuchten. Außerdem sammelten sie die Exkremente der Tiere ein. Ergebnis: Nach dem Untertauchen befand sich Harnstoff im Wasser. Wie die Exkremente verrieten, hatten die Schildkröten 50 Mal mehr davon über den Mund ausgeschieden als über ihre rückwärtige Körperöffnung, die Kloake.
Wie anschließende Untersuchungen zeigten, befindet sich in den kiemenartigen Anhängen der Mundschleimhaut eine Art Harnstofftransporter. Dadurch entsteht Speichel mit hoher Harnstoffkonzentration. Um dieses Sekret loszuwerden, spülen die Schildkröten ihren Mund mit Wasser. Die Forscher vermuten, dass die ungewöhnliche Art der Urinabgabe eine Anpassung an das brackige Wasser im Lebensraum der Tiere ist. Wegen des hohen Salzgehalts dürfen die Schildkröten nicht so viel davon trinken, wie nötig wäre, um ihre Nieren ausreichend zu spülen. Deshalb waschen sie die von Harnstoff bedeckten Lamellen in ihrem Mund mit dem salzigen Wasser aus.
Yuen Ip (National University of Singapore): J Exp Biol, doi: 10.1242/jeb.068916 © wissenschaft.de ? Martin Vieweg





