Bestandteil eines raffinierten Cocktails
Es war bereits bekannt, dass das Betäubungsgift der Kegelschnecken hochwirksame Nervengifte enthält. Um der Zusammensetzung dieses Cocktails genauer auf die Spur zu kommen, haben die Forscher um Helena Safavi-Hemami von der University of Utah in Salt Lake City die Giftdrüsen der Schneckenart Conus geographus erneut genau untersucht. Dabei stellten sie fest: Die Weichtiere bilden neben den Neurotoxinen auch eine ungewöhnliche Form von Insulin in großen Mengen. Die Analysen zeigten, dass es sich nicht um die Schnecken-Version des Hormons handelt, mit dem die Tiere ihren eigenen Blutzuckerspiegel regulieren. Stattdessen ähnelt das Insulin der Giftdrüsen eher dem von Fischen.
Den Forschern gelang es schließlich, das bizarre Insulin künstlich herzustellen – dadurch stand es ihnen für Experimente zur Verfügung. So konnten sie zeigen: Injiziert man es einem Fisch, bricht sein Blutzuckerspiegel ein – es besitzt also tatsächlich die typische Wirkung von Insulin. Durch weitere Versuche mit Fischen konnten sie zudem dokumentieren, dass sich der Stoff auch zum Benebeln von Beute eignet: Fische, die in Wasser schwammen, das mit dem Insulin versetzt war, bewegten sich deutlich weniger als Vergleichstiere.
Fische im Unterzucker sind leicht Beute
Den Forschern zufolge belegen die Ergebnisse, dass es sich bei dem Insulin um einen effektiven Bestandteil des Betäubungssekretes der Schnecken handelt. Neben den Nervengiften repräsentiert es damit eine ganz neue Waffenkategorie. Ein weiterer Beleg für die Bedeutung der Substanz ist seine Verbreitung unter den Kegelschneckenarten, sagen die Forscher. Safavi-Hemami und ihre Kollegen fanden es nur bei denjenigen, die ihre Beutetiere betäuben und dann überstülpen. Bei Vertretern, die Fische stattdessen überraschend mit einem giftigen Harpunen-Stoß töten, fanden sie das Insulin nicht.
Auch aus biochemischer Sicht sei das Waffen-Insulin der Kegelschnecken spannend, sagen die Forscher. “Es handelt sich um ein einzigartiges Insulin”, betont Co-Autor Baldomero Olivera von der University of Utah. Es besteht nämlich nur aus 43 Aminosäurebausteinen – weniger als bei jedem anderen bekannten Insulin. Seine abgespeckte Größe und die ungewöhnlichen Merkmale sind den Forschern zufolge wahrscheinlich das Geheimnis seiner Effektivität: Es kann über das Wasser Beutetiere in den Unterzucker versetzen.





