Geheimer Kampf gegen “Befruchtungs-Erschleicher”
Bei dem Tier im Fokus der Forscher handelte es sich um den Augenfleck-Lippfisch (Symphodus ocellatus), der im Mittelmeer vorkommt. Die Weibchen bevorzugen Männchen, die Nester bauen und sich um die befruchteten Eier kümmern. Es gibt bei dieser Fischart allerdings kurioserweise noch eine zweite Kategorie Männchen: vergleichsweise schmächtige Befruchtungs-Erschleicher, die keine Nester für ihre Damen bauen. Um dennoch zum “Zuge” zu kommen, lauern sie in der Nähe laichender Weibchen und entlassen im richtigen Moment große Mengen Samenzellen, damit sie die Eier durchs Wasser erreichen und befruchten können.
Doch die Weibchen der Augenfleck-Lippfische haben eine raffinierte Strategie entwickelt, sich gegen das übergriffige Besamungsverhalten zur Wehr zu setzen. “Da die Befruchtungs-Erschleicher mehr Sperma freisetzen als die treusorgenden Männchen, könnte man annehmen, dass sie bessere Befruchtungschancen haben”, sagt Alonzo. “Doch es ist etwas in der Flüssigkeit um die Eier, das diesen Vorteil beseitigt”. Durch Versuche konnten sie und ihre Kollegen zeigen, dass die braven Männchen zwar weniger, aber dafür schnellere Samenzellen produzieren. Die Flüssigkeit um die Eier bevorteilt genau diese Eigenschaft, berichten die Forscher. Sie bewirkt, dass Qualität mehr zählt als Quantität und so die Wahrscheinlichkeit steigt, dass die Eier von den vom Weibchen bevorzugten Spermien ihres Partners befruchtet werden.
Ein weit verbreitetes Phänomen?
Forschung zur verstecken Wahl von Weibchen hat bereits eine Reihe von überraschenden Phänomenen im Rahmen des “Geschlechterkampfs” bei verschiedenen Arten aufgedeckt. Für viele Wassertiere mit ihrer externen Befruchtung, schienen vergleichbare Systeme bisher kaum möglich. “Die aktuellen Ergebnisse eröffnen nun aber ganz neue Horizonte”, sagt Alonzo. Möglicherweise gibt es ähnliche Konzepte bei vielen Fischarten. “Dass diese Effekte im Fortpflanzungstrakt stattfinden schien plausibel, dass sie aber auch im Wasser ablaufen können, ist ziemlich erstaunlich”, so die Biologin.





