Schimpansen verfügen über kulturelle Traditionen, die sie innerhalb ihrer Gruppe weitergeben. Das behaupten Forscher um Klaus Zuberbühler von der schottischen University of St. Andrews. Sie hatten in Uganda einen Freilandversuch mit zwei Schimpansengemeinschaften durchgeführt: den Sonso aus dem Budongo-Wald und den Kanyawara aus dem Kibale-Nationalpark. Beide gehören zur Unterart Pan troglodytes schweinfurthii und sind genetisch nahezu identisch.
Die Wissenschaftler stellten die Schimpansen vor eine neue Aufgabe. Das Team bohrte tiefe Löcher in Baumstämme, die am Boden lagen, und füllte sie mit Honig. Dann beobachteten die Forscher, wie die Affen es bewerkstelligten, an die Leckerei zu kommen. Die versuchten das auf zweierlei Art: Die Sonso nahmen ein Blatt in den Mund, kauten es kurz und benutzten es dann als eine Art Schwamm, um den Honig aus dem Loch zu saugen. Die Kanyawara dagegen stocherten mit einem Stock im Loch und leckten dann die süße Masse davon ab. In keiner Gruppe gab es „Abweichler” von der jeweiligen Tradition.
Zuberbühlers Interpretation: „Wir können ausschließen, dass die beobachteten Verhaltensunterschiede im Werkzeugeinsatz das Ergebnis genetischer Unterschiede sind, weil wir Angehörige derselben Unterart getestet haben. Es müssen kulturelle Unterschiede sein, die tief in der Denkweise der Schimpansen verwurzelt sind und innerhalb der Gruppe weitergegeben werden.”





