Quasi “im Reagenzglas” ist es Jenaer Forschern gelungen, Ersatz für beschädigte Lungen-Schlagadern zu schaffen. Sie bildeten mit Hilfe natürlicher Gefäßzellen eines Schafes die Schlagader nach. Diese kann verwendet werden, um als natürliches Implantat erkrankte oder verletzte Gefäße zu ersetzen.
Mittels der so genannten “Tissue Engineering”-Technik, auch Gewebe-Konstruktion genannt, haben sie körpereigene Zellen in einem Brutapparat dazu gebracht, sich auf einer vorgegebenen Form, einer so genannten Matrix anzusiedeln. Während das neu gebildete Gewebe Stabilität und Struktur erreicht, löst sich die künstliche Matrix allmählich auf. Der Mediziner Ulrich Stock und sein Team machten mit ihren Forschungsarbeiten wichtige Fortschritte, die derartige Gefäß- und Organ-Implantate in wenigen Jahren für den Einsatz im Menschen möglich machen sollen.
Das Team der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Universität Jena arbeitete mit der Matrix der Schlagader und Gefäßzellen aus Venensegmenten eines noch im Wachstum befindlichen Schafes. Das so entstandene Implantat aus körpereigenem Gewebe ist passgenau, vollkommen bioverträglich und ruft keinerlei Abstoßungsreaktionen hervor. Bisher verwenden Mediziner weltweit Implantate aus Spezialkunststoffen als Ersatz für Blutgefäße und Herzklappen. Diese bergen aber die Gefahr von Abstoßungsreaktionen, eine erhöhte Infektionsgefahr und kürzere Haltbarkeit als natürliches Zellgewebe.
Allein in Deutschland bekommen derzeit jährlich über 150.000 Patienten mit schwersten Herz- und Gefäßerkrankungen Kunststoff-Implantate.
Dörte Saße





