Die Forscher erklären ihre Entdeckung damit, dass in nördlichen Breiten, etwa beim 60. Breitengrad in Nordkanada, die Rate der Artentstehung zwar hoch ist, viele der neuen Tierarten aber auch wieder aussterben. Ursache sind die härteren Umweltbedingungen im hohen Norden. “Andererseits ist die Rate der Artentstehung in den Tropen geringer und stabile Umweltbedingungen bewirken ein geringes Aussterben. Daher überleben dort mehr Tierarten. Das könnte erklären, wieso unter wärmeren klimatischen Bedingungen der Artenreichtum größer ist”, erläutert Weir.
In gemäßigten Temperaturzonen entstehen neue Tierarten weitaus schneller als in den Tropen. Allerdings sterben sie in den von stärkeren Temperaturschwankungen geprägten Regionen auch wieder schneller aus. Erst in der Gesamtbilanz für die Artenvielfalt schneidet der Norden schließlich schlechter ab als der Süden, haben kanadische Zoologen um Jason Weir von der Universität von British Columbia in Vancouver herausgefunden. Die Forscher hatten die Stammbäume von nahe verwandten Tierarten Nordamerikas sowie Mittel- und Südamerikas rekonstruiert und bestimmt, wann diese sich von einander abspalteten. Unter nordamerikanischen Tierarten verlief die Aufspaltung in neue Arten in den vergangenen Millionen Jahren dreimal so schnell wie in den Tropen.
Die Forscher untersuchten rund 310 Säugetier- und Vogelarten des amerikanischen Kontinents. Anhand genetischer Ähnlichkeiten und weiterer Merkmale konnten sie die Tiere in einem Stammbaum einander zuordnen und die Zeiträume für die Artentstehung abschätzen. Sie entdeckten, dass die heutigen Geschwisterarten in den Tropen sich im Durchschnitt vor rund 3,4 Millionen Jahren voneinander trennten. In den gemäßigten nördlichen Gefilden lag der Abspaltungszeitraum immer unter einer Million Jahre. Diese Entdeckung überraschte die Forscher, da nach bisheriger Lehrmeinung der Artenreichtum der Tropen eine Konsequenz häufiger und schneller Artenstehung sein sollte.
Jason Weir (Universität von British Columbia, Vancouver) et al.: Science, Bd. 315, S. 1574 ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer





