Offensichtlich stapften, spazierten oder rannten sie einst über die Erde – doch wie genau bewegten sich die verschiedenen Vertreter der Dinosaurier und welche Geschwindigkeiten erreichten sie dabei? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Paläontologie bereits seit einiger Zeit. Klar scheint, dass die zweibeinig laufenden Dinosaurier – die Theropoden – die agilsten und schnellsten waren. Um zu Einschätzungen ihrer Leistungen zu kommen, wurden meist biomechanische Modellierungen auf der Grundlage anatomischer Merkmale von Fossilien erstellt. Aus ihnen geht hervor, dass einige Arten wohl Spitzengeschwindigkeiten deutlich über 50 Kilometer pro Stunde erreichen konnten. Grundsätzlich hatten dabei wohl die mittelgroßen Vertreter wie etwa die berühmten Velociraptoren die Nase vorn, wie aus Studien hervorgeht. Denn bei größeren Raubsauriern wie T. rex und Co fiel die Massenträgheit buchstäblich ins Gewicht und sie erreichten deshalb wohl nur mittlere Geschwindigkeiten.
Weite Schrittfolgen im Visier
Neben Einschätzungen anhand von körperlichen Merkmalen gibt es allerdings noch eine direktere Möglichkeit, Hinweise auf Bewegungen zu erhalten: In den Merkmalen von versteinerten Dinosaurier-Fußspuren spiegelt sich das Laufverhalten der Tiere wider. Durch Berechnungen anhand der Fußgrößen, Schrittlängen und weiterer Merkmale von Spuren sind auch Rückschlüsse auf die Laufgeschwindigkeiten möglich. Bei der Frage nach den Fähigkeiten am oberen Ende der Skala ist allerdings problematisch, dass versteinerte Abdrücke meist von Tieren stammen, die im gemächlichen Gang unterwegs waren. Spuren rennender Dinos gibt es hingegen nur sehr wenige. Aus diesem Grund erregten zwei in Spanien entdeckte Dinosaurier-Fährten das Interesse der Forscher um Pablo Navarro-Lorbés von der Universität La Rioja. Denn schon auf den ersten Blick wirkten die Schritte im Vergleich zur Fußgröße auffallend lang – typisch für eine Renn-Spur. So widmete das Team den beiden Funden nun eine genauere Untersuchung.
Wie die Paläontologen berichten, stammen die beiden Spuren mit den Bezeichnungen La Torre 6A-14 und La Torre 6B-1 aus der Zeit von vor 145 bis 100 Millionen Jahren. Die erste umfasst fünf etwa 33 Zentimeter lange Fußabdrücke, die zweite sieben mit einer Länge von etwa 29 Zentimetern. Es zeichnen sich dabei drei Zehen ab, wie es für Theropoden typisch ist. Den Kalkulationen zufolge besaß das erste Tier vermutlich eine Hüfthöhe von 1,44 Meter und das zweite von 1,20 Meter. Die Forscher erfassten zudem die genauen Abstände der rund 2,50 Meter langen Schritte sowie weitere Merkmale der einzelnen Abdrücke. Wie sie erklären, waren anhand dieser Informationen Berechnungen möglich, wie schnell die Tiere unterwegs gewesen sind.





