Bei der Futtersuche sind die Krebse vor der Küste Taiwans Opportunisten: Giftige Gase aus Unterwasserquellen töten Plankton ab, das dann auf den Meeresboden fällt. Sobald das Plankton herunterrieselt, kommen die Krebse aus ihren Felsspalten und machen sich daraus ein Festessen. Diese ungewöhnliche Strategie bei der Futtersuche ist mit ein Grund, warum in der ansonsten sehr lebensfeindlichen Umgebung bis zu 364 Krebse pro Quadratmeter leben, schreiben Ming-Shiou Jeng vom zoologischen Institut in Taipeh und seine Kollegen im Fachmagazin Nature (Bd. 432, 23. Dezember, S. 969).
Die aufsteigenden Gase aus den hydrothermalen Quellen vor der Insel Kueishan nordöstlich von Taiwan sind stark säure- und schwefelhaltig. Die Krebse (Xenograpsus testudinatus) kommen in dieser nährstoffarmen Umgebung nur dann aus ihren Verstecken, wenn die giftigen Gase bei ruhigem Seegang direkt nach oben an die Meeresoberfläche steigen, beobachteten die Wissenschaftler. Der Grund: Plankton, das den aufsteigenden Giftschwaden in den Weg kommt, fällt tot oder narkotisiert auf den Boden und die Meeretiere finden so genug Nahrung. Sobald sich die Strömung wieder verstärkt, fällt den Krebsen weniger von ihrer Leibspeise vor die Zangen und sie ziehen sich wieder in ihre Spalten zurück.
Da die Meeresströmungen zweimal am Tag nachlassen, kommen die Tiere wohl auch jedes Mal zur Futtersuche aus ihren Felsspalten, vermuten die Wissenschaftler. Da das Tauchen jedoch nachts zu gefährlich ist, konnten die Forscher die Krebse bislang nur tagsüber bei ihrem Festessen beobachten. Von allen Tieren, die rund um hydrothermalen Quellen leben, sind die Krebse die einzigen, bei denen diese Technik bei der Futtersuche bekannt ist, schreiben die Wissenschaftler. Dadurch konnten sich die Krebse bemerkenswert gut an die nährstoffarme Umgebung anpassen.
ddp/bdw – Eva Hörschgen





