US-Forscher haben nun die molekularen Mechanismen enträtselt, mit denen sich das Epstein-Barr-Virus auf Lebenszeit in menschlichen Zellen einnistet. Diese für die Krebsforschung wichtigen Ergebnisse veröffentlichten Paul Lieberman und sein Team am 29. März in der Fachzeitschrift Molecular Cell.
Das Epstein-Barr-Virus (EBV) infiziert früher oder später fast jeden Mensch. Einmal in den Körper gelangt, überdauert EBV in seinem Wirt bis an dessen Lebensende. Meist verhält sich EBV ruhig. Erwacht es jedoch, so kann das Virus Krebserkrankungen auslösen wie das Burkitt-Lymphom, Nasopharynxkarzinom und Hodgkin-Lymphom. Außerdem kann EBV das gefürchtete Pfeiffer?sche Drüsenfieber verusachen.
Lieberman und Kollegen fanden nun heraus, mit welchen molekularen Kniffen EBV in der menschlichen Zelle überdauert. Einmal im Zellkern angekommen, nutzt das EBV-Erbgut so genannte Telomer-Proteine um zu überleben. Diese Eiweiße liegen an den Chromosomen-Enden, den Telomeren. Sie stabilisieren die Chromosomen und tragen entscheidend bei zur Erbgut-Verdoppelung während der Zellteilung. Die Telomer-Proteine schützen das EBV-Genom vor so genannten Restriktionsenzymen, die fremde DNA zerschneiden und unschädlich machen. Außerdem sorgen die Telomer-Proteine dafür, dass im Falle einer Zellteilung auch das EBV-Genom vermehrt und an die Tochterzellen vererbt wird.
Die entscheidende Schnittstelle zwischen dem EBV-Genom und den Telomer-Proteinen ist das Virus-eigene Protein EBNA1. Es bindet an der ringförmigen Virus-DNA und interagiert mit folgenden Telomer-Proteinen: TRF2, hRap1 und Tankyrase. Versagt eines dieser vier Eiweiße seinen Dienst, beispielsweise durch Mutation, so entfernt die Wirtszelle den Eindringling.
Die hier entdeckten molekularen Mechanismen können dazu beitragen, neue Krebsmedikamente zu entwickeln. Außerdem können neue therapeutische Ansätze entwickelt werden, um EBV oder verwandte Viren unschädlich zu machen.
Markus Batscheider





