Britische Wissenschaftler haben einen zentralen Mechanismus des Immunsystems Schwangerer entdeckt, der die Abstoßung der väterlichen Anteile des Kindes verhindert: Die Anzahl der so genannten regulatorischen T-Zellen bestimmt darüber, ob der Fötus als fremd erkannt wird und es zur Fehlgeburt kommt oder nicht. Das berichten britische Wissenschaftler im Magazin Nature Immunology (Märzausgabe). Diese T-Zellen kontrollieren in der körpereigenen Abwehr unter anderem überschießende Reaktionen und beenden die Immunantwort nach der erfolgreichen Bekämpfung von Eindringlingen.
In ihren Studien an Mäusen stellten Alexander Betz vom Medical Research Council in Cambridge und seine Kollegen fest, dass trächtige Tiere direkt nach der Empfängnis zwei- bis dreimal so viele regulatorische T-Zellen besitzen wie nicht schwangere Mäuse. Nach der Geburt des Nachwuchses fanden die Forscher dagegen keinen Unterschied mehr. Als die Wissenschaftler die Anzahl dieser T-Zellen bei den trächtigen Mäusen auf das Normalmaß reduzierten, wurden die Föten abgestoßen und es kam zu spontanen Fehlgeburten.
Mit ihren Untersuchungen konnten die Wissenschaftler eine bislang unbekannte Funktion dieser Zellen charakterisieren: Die regulatorischen T-Zellen unterdrücken die spezifische Immunantwort gegen den Fötus. Es sei sehr wahrscheinlich, dass die Unterdrückung des Immunsystems durch T-Zellen beim Menschen ganz ähnlich funktioniere, schreiben die Briten. Ein interessantes Phänomen sei in diesem Zusammenhang, dass Autoimmunkrankheiten während der Schwangerschaft einen viel milderen Verlauf nähmen. Wenn die T-Zellen ihre Aufgabe nicht richtig bewältigen, könnte das zu Unfruchtbarkeit oder zu Komplikationen in der Schwangerschaft wie die so genannte Präeklampsie führen. Das bessere Verständnis dieser Toleranzmechanismen könnte zur Entwicklung neuer diagnostischer Verfahren führen und neue Wege für die Therapie von Autoimmunkrankheiten und bei Organtransplantationen aufzeigen.
ddp/bdw ? Karin Otzelberger





