Wer Probleme mit dem Lesen und Schreiben hat, wächst vielleicht nur im verkehrten Sprachkreis auf. Neurologen haben entdeckt, dass die Legasthenie von Sprachen mit einer besonders komplizierten Rechtschreibung forciert wird.
In den USA beispielsweise gibt es ihren Angaben zufolge doppelt so viele Legastheniker wie in Italien. Der Grund dafür könnte sein, dass die englische Sprache 40 Phoneme (Laute) in 1.120 verschiedenen Schreibweisen zu Papier bringt. Auch Französisch sei nur unwesentlich leichter. Italienisch dagegen komme mit 33 Buchstabenkombinationen für 23 Laute aus, erläutern die Neurowissenschaftler im Fachjournal “Science”.
Das Team um Eraldo Paulesu von der Universität Mailand verglich die Hirnaktivität von 1.200 britischen, französischen und italienischen Studenten. Dabei fanden sie, dass die Legastheniker unter ihnen unabhängig von ihrer Herkunft und Muttersprache weniger Aktivität in einer Region des Hirns zeigten, die für das Lesen entscheidend ist. Die gleiche Region in der linken Hemisphäre des Hirns wird auch nach einem Schlaganfall ungenügend aktiviert, heißt es in “Science”.
Paulesu und Kollegen schließen daraus, dass die Legasthenie zwar zweifellos eine neurologische Störung ist, dass sie aber auch durch Sprachen mit kniffliger Orthografie gefördert wird. Englisch sei in dieser Hinsicht eine der schwersten Sprachen, und Französisch stehe ihm nicht viel nach. Spanisch und Türkisch dagegen seien vergleichsweise leicht zu schreiben. Paulesu sieht in dem Ergebnis seiner Studie unter anderem ein Argument für Rechtschreibreformen in Ländern, die es ihrem Nachwuchs besonders schwer machen, die Muttersprache zu erlernen. Ob auch Deutsch zu den Sprachen gehört, die die angeborene Lese- und Rechtschreibschwäche eher verstärkt, untersuchte das Team nicht.
dpa





