In vielerlei Hinsicht sind wir uns sehr ähnlich – doch ein wichtiger Aspekt unterscheidet den Menschen von seinen nächsten Verwandten im Tierreich: Affen kommunizieren, wir benutzen Sprache. Die Tiere geben zwar ebenfalls teils aussagekräftige Laute von sich, doch durch das menschliche System ist eine Vermittlung von hochkomplexen Informationen möglich. Unser Konzept beruht dabei auf der speziellen Kombination von Lauten zu Wörtern und von Wörtern zu hierarchisch strukturierten Sätzen. Wie diese spezielle Fähigkeit im Lauf der Entwicklungsgeschichte entstand, ist eine spannende Frage der Anthropologie. Um Hinweise zu bekommen, liegt es deshalb nahe, sich mit den Kommunikationsfähigkeiten der Primaten zu beschäftigen, die unsere engsten Verwandten sind: Schimpansen.
Grundsätzlich wird deutlich, dass die Komplexität der menschlichen Sprache nicht allein auf einer außergewöhnlich großen Vielfalt möglicher Einzellaute basiert, die wir zum Sprechen kombinieren. Denn auch Schimpansen können viele unterschiedliche Laute hervorbringen. Das Besondere ist die Art und Weise, wie wir Laute strukturiert zu Wörtern kombinieren und diese hierarchisch zu Sätzen zusammensetzen, um komplexe Informationen zu vermitteln. Es war zwar bereits grundsätzlich bekannt, dass auch Schimpansen verschiedene Rufe kombinieren. Ein deutsch-französische Forscherteam hat sich nun jedoch systematisch mit der Struktur und Vielfalt der Lautsequenzen von Schimpansen beschäftigt.
Schimpansen genau zugehört
Die Wissenschaftler untersuchten dazu Aufnahmen von Tausenden von Lautäußerungen, die von den Mitgliedern dreier Gruppen freilebender Schimpansen im Taï-Nationalpark in der Elfenbeinküste stammen. „Dies ist die erste Studie im Rahmen eines größeren Projekts. Indem wir die Komplexität der Lautsequenzen freilebender Schimpansen erforschen, einer Tierart mit einem komplexen Sozialleben ähnlich dem des Menschen, erhoffen wir uns, mehr darüber zu erfahren, wie sich unsere einzigartige Sprache entwickelt hat“, sagt Co-Autorin Catherine Crockford vom Institut für Kognitionswissenschaften des CNRS in Bron, Lyon.
Wie die Wissenschaftler berichten, entdeckten sie bei den strukturellen Analysen der Schimpansen-Tonfolgen charakteristische Merkmale. Sie konnten 390 einzigartige Lautsequenzen identifizieren, die sich aus der Kombination von bis zu zehn verschiedenen Typen von Rufen aus dem Gesamtrepertoire der Schimpansen zusammensetzen. Die Reihenfolge der Rufe folgt dabei Regeln – sie waren auf eine strukturierte Art und Weise miteinander verbunden, stellten die Forscher fest. Es zeigte sich, dass Rufe – in Kombination mit bestimmten anderen Rufen – immer an bestimmten Positionen innerhalb der Sequenz auftreten.





