Eine bevorstehende Vaterschaft hat Auswirkungen auf die Hormonspiegel des Mannes. Kanadische Wissenschaftlerinnen der Queen’s University in Kingston konnten nachweisen, dass Testosteron- und Cortisolwerte bei werdenden Vätern sinken, während die Konzentration an Östradiol ansteigt. Die Ergebnisse der Untersuchung erscheinen in der Juniausgabe der Mayo Clinic Proceedings.
An der Studie beteiligten sich 23 Männer, die zum ersten Mal Vater wurden. Der Untersuchungszeitraum erstreckte sich vom ersten Drittel der Schwangerschaft bis drei Monate nach der Geburt. Gleichaltrige kinderlose Männer, die keinen Nachwuchs erwarteten, dienten als Kontrolle. Aus Speichelproben wurde der Gehalt an Östradiol, Testosteron und Cortisol bestimmt. Bei schwangeren Frauen steigt die Konzentration dieser Hormone bis zur Geburt an und sinkt dann wieder ab. Deren genaue Funktion für den Geburtsvorgang ist noch nicht vollständig aufgeklärt.
Wie die Studie ergab, sanken Testosteron- und Cortisolspiegel der Männer bis nach der Geburt des Kindes signifikant ab. Für Östradiol dagegen wurden über den Geburtstermin hinaus steigende Konzentrationen gemessen. Dieser nachgeburtliche Östradiolanstieg sei besonders interessant, schreiben die Autorinnen Sandra Berg und Katherine Wynne-Edwards. “Die mögliche Bedeutung dieser hormonellen Veränderungen kennen wir noch nicht. Aber es handelt sich um Hormone, die mütterliches Verhalten beeinflussen”, sagt Wynne-Edwards.
Aus Beobachtungen an Nagern und Affen ist bekannt, dass die untersuchten Hormone das Verhalten weiblicher Tiere während und nach der Schwangerschaft beeinflussen. Ergebnisse über entsprechende Untersuchungen an männlichen Tieren gibt es nicht.
Joachim Czichos





