Eine Infektion des Gehirns mit dem Borna-Virus könnte beim Menschen psychische Störungen auslösen, vermuten Wiener Forscher. Möglicherweise würden die Erreger von Haustieren übertragen, berichteten die Wissenschaftler um Norbert Nowotny auf dem Treffen der European Societies of Clinical and Veterinary Virology and the Society for Microbiology at the Royal College of Physicians in London.
Borna-Virus-Infektionen sind beim Pferd schon seit über 300 Jahren bekannt. Das Virus ist nach der sächsischen Stadt nahe Leipzig benannt, wo es zu schweren Krankheitsausbrüchen kam.
Seit den zwanziger Jahren ist das Borna-Virus (Borna Disease Virus, BDV) als Erreger neurologischer Erkrankungen bei Haustieren wie Schafen bekannt. Auch Katzen können von der Erkrankung betroffen sein. Alle natürlich sowie künstlich infizierten Tiere zeigen erhebliche Verhaltensveränderungen: So ist zum Beispiel das Flucht- und Essverhalten infizierter Ratten gestört. Die Tiere reagieren weniger auf Gefahr und zeigen deutliche Veränderungen im Lernverhalten. Bei Menschen mit psychischen Leiden wurde vermehrt eine BDV-Infektion beobachtet.
“Während die Infektion bei Tieren häufig zu einer Hirnhautentzündung führt, wurde solch eine Entzündung beim Menschen bisher nicht festgestellt”, erklärt Nowotny. Die Wissenschaftler vermuten, dass eine Infektion mit dem Virus beim Menschen bestimmte Neurotransmitteraktivitäten beeinflussen und so zu einer psychiatrischen Erkrankung führen kann.
“Ob BDV und Erkrankungen wie Schizophrenie und Depression im Zusammenhang stehen, ist sehr schwer zu belegen. Je mehr wir jedoch über den Vorgang der Virusübertragung lernen, desto eher können wir den Erreger daran hindern, Menschen und Tiere zu infizieren”, fügt Nowotny hinzu.
Linda Tidwell





