Daten aus dem Zweiten Weltkrieg liefern Hinweis
Möglicherweise ist Blutkrebs bei Kindern die Folge einer infektiösen Erkrankung. Diese Theorie sehen Forscher der University of Oxford durch die Ergebnisse einer epidemiologischen Studie bestätigt. Auf den Orkney- und Shetland-Inseln, auf denen während des Zweiten Weltkriegs Tausende von Soldaten und Kriegsarbeitern stationiert waren, gab es zu dieser Zeit deutlich mehr Leukämiefälle bei Kindern als in den Nachkriegsjahren. Die Studie wurde in der Fachzeitschrift “The Lancet” veröffentlicht.
Die Wissenschaftler führen das erhöhte Leukämierisiko auf den direkten und indirekten Kontakt der einheimischen Kinder mit den stationierten Soldaten zurück. Eine mangelnde medizinischen Versorgung während des Krieges, schließen die Wissenschaftler als Ursache aus. “Die Diagnose Leukämie wird bei eingeschränkter medizinischer Versorgung in der Regel seltener gestellt”, heisst es in der Studie.
Für ihre Untersuchung verglichen die Forscher das Vorkommen von Leukämie auf den beiden Inseln während und nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie stellten fest, dass von den 12.000 Kindern die zwischen 1941 und 1945 auf den Inseln lebten, neun an Leukämie starben. Laut Statistik dürfte es in einer Gruppe dieser Größe höchstens zwei oder drei Leukämiefälle geben. In den Jahren nach dem Krieg entsprachen die Zahlen der “normalen” Erkrankungsrate.
Leukämie ist nicht die erste Krebserkrankung, die mit Infektionen in Verbindung gebracht wird. Man nimmt heute an, dass ungefähr 15 Prozent aller Krebsleiden als Folge bestimmter Infektionen auftreten. So wissen Mediziner mittlerweile, dass Hepatitis-B- und -C-Infektionen (Gelbsucht) Lebertumore auslösen können. Bestimmte Warzenerreger – so genannte Papillomviren – sind häufig für Gebärmutterhalskrebs verantwortlich.
Irina Lorenz-Meyer





