Unter den rund 6.000 existierenden Säugetierarten, gibt es nur sehr wenige, die Eier legen. Zu diesen sogenannten Kloakentieren zählen das Schnabeltier (Ornithorhynchus anatinus) und vier Ameisenigelarten (Tachyglossidae), die in Australien und Neuguinea leben. Aus welchem gemeinsamen Vorfahren sich diese kuriose Gruppe der Ursäuger entwickelt hat, ist unter Experten umstritten. Fossilien, die die Evolutionsgeschichte eindeutig belegen könnten, wurden bisher keine gefunden. Zahnvergleiche mit heutigen Säugetieren sind ebenfalls nicht möglich, da die Kloakentiere keine Zähne haben. So bleiben nur Theorien.

Eine der Hypothesen besagt, dass Ameisenigel aus einem gemeinsamen, Schnabeltier-ähnlichen Vorfahren hervorgegangen sind. Gegen diese Hypothese spricht jedoch, dass sich Aussehen und Lebensweise der heutigen Kloakentiere erheblich voneinander unterscheiden. So sind die stacheligen Ameisenigel Landsäugetiere, die sich von Insekten und Bodenwürmern ernähren. Schnabeltiere leben hingegen semiaquatisch, also sowohl an Land wie auch im Wasser, wo sie bevorzugt wirbellose Bewohner des Süßwassers jagen. Dafür haben sie einen Schnabel, ein wasserdichtes Fell, Schwimmhäute an den Füßen und einen biberähnlichen Schwanz entwickelt. Zusätzlich graben Schnabeltiere sich Höhlen in den Erdboden.
Oberarmknochen verrät Lebensweise
Um mehr über die Evolutionsgeschichte der eierlegenen Säugetiere zu erfahren, haben Forschende um Suzanne Hand von der University of New South Wales in Sydney nun einen einzelnen fossilen Oberarmknochen (Humerus) eines ausgestorbenen Ursäugers näher untersucht. Die Kryoryctes cadburyi genannte Art lebte vor etwa 108 bis 103 Millionen Jahren in der frühen Kreidezeit in Australien und weist morphologische Ähnlichkeiten mit den heute lebenden Kloakentieren auf. Sein Knochen wurde vor rund 30 Jahren in der Fossilienstätte Dinosaur Cove im Süden Victorias gefunden. Das Team um Hand hat diesen Überrest nun detailliert gescannt, seine Mikrostruktur untersucht und die Merkmale mit denen des Schnabeltiers, zweier Ameisenigelarten und 82 anderer lebender Säugetiere verglichen.






