Erwärmung, Eismassen und das Geröll
Um herauszufinden, wie sich die Gletscher in Asiens Hochgebirgen zukünftig verändern werden, haben Philip Kraaijenbrink von der Universität Utrecht und seine Kollegen dies mit einer der bisher umfassendsten Modellsimulationen untersucht. Dafür erfassten sie zunächst die aktuellen Eismassen von allen asiatischen Hochgebirgsgletschern mit mehr als 0,4 Quadratkilometern Fläche und ermittelten, wie stark sich diese Gletscherregionen heute bereits erwärmt haben. Erstmals erfassten sie zudem systematisch, wie stark die Oberfläche der einzelnen Gletscher von Geröll und Ruß bedeckt ist. Denn diese Decke kann einen entscheidenden Einfluss auf das Schmelzverhalten haben: “Eine dünne Schicht Geröll beschleunigt das Abtauen, weil sie eine niedrigere Albedo besitzt als das freiliegende Eis”, erklären die Forscher. “Ist die Schicht aber dicker als einige Zentimeter, hemmt sie das Schmelzen, weil sie das darunterliegende Eis gegen die wärmere Luft isoliert.” Für ihre Prognosen fütterten die Wissenschaftler daher sechs verschiedene Klimamodelle sowohl mit den Daten zu Eismassen, Höhenlagen und Klima als auch mit Informationen zur Geröllbedeckung.
Die Ergebnisse: Momentan speichern die mehr als 33.000 größeren Gletscher in den Hochgebirgen Asiens 4,7 Billionen Tonnen Wassereis – mehr als ein Drittel davon liegt im Karakorum-Gebirge. Elf Prozent dieser Gletscher sind von Geröll bedeckt, besonders häufig sind davon Eisriesen im Hindukusch betroffen. Was aber passiert, wenn die globalen Mitteltemperaturen um 1,5 Grad gemessen an vorindustriellen Werten ansteigen – also um den Wert, der im Pariser Klimaabkommen als optimales Ziel definiert wurde? Wie die Simulationen ergaben, werden sich die asiatischen Berggletscher selbst unter diesen idealen, nur mit drastischem Klimaschutz erreichbaren Bedingungen überproportional stark erwärmen – um 2,1 Grad.
Ein Drittel Verlust im besten Fall, zwei Drittel im schlimmsten
Als Folge wird selbst dies einen beträchtlichen Eisverlust nach sich ziehen: “Wird das 1,5 Grad-Ziel erreicht, bleiben nur zwei Drittel der Gletscherflächen bis zum Ende dieses Jahrhunderts erhalten”, berichten Kraaijenbrink und seine Kollegen. Aber immerhin: Dies könnte ausreichen, um für einen Großteil der Bevölkerung den so wichtigen Wassernachschub zu sichern. Dabei jedoch gibt es starke regionale Unterschiede: In den Gebirgszügen des Qilian Shan im Westen Chinas und des Gissargebirges am Westrand des Pamir könnte nur noch ein Drittel der Gletscher übrigbleiben, im Karakorum-Gebirge dagegen bis zu 80 Prozent. Letzteres verdanken die Gletscher dabei in erster Linie der dicken, isolierenden Geröllschicht auf vielen Gletscherzungen, wie die Forscher berichten.





