Die Rotbuche (Fagus sylvatica) gehört zu den wichtigsten Waldbäumen in Europa. Sie breitete sich nach Ende der letzten Eiszeit über den größten Teil West- und Mitteleuropas aus und prägt vielerorts die Laub- und Mischwälder. In Deutschland ist die Rotbuche die häufigste Laubbaumart und nimmt gut 15 Prozent der gesamten Waldfläche ein. Vor allem alte Buchenwälder gelten als ökologisch wichtige Lebensräume, zudem ist das Hartholz der Buche auch wirtschaftlich wertvoll. Heute sind daher fast 100 Buchenwaldgebiete in 18 europäischen Ländern als UNESCO-Natur-Welterbe gelistet. Allerdings setzen der Klimawandel und vor allem die zunehmende Trockenheit inzwischen auch den eigentlich robusten Rotbuchen immer stärker zu, wie Beobachtungen in vielen europäischen Wäldern zeigen.
Wachstum vor allem im Süden verlangsamt
Wie sich dies auf den europäischen Buchenbestand insgesamt auswirkt und welche Folgen in der Zukunft zu erwarten sind, haben nun Edurne Martinez del Castillo von der Universität Mainz und ihre Kollegen erstmals umfassend untersucht. Dafür nahm das internationale Team an 324 Standorten in ganz Europa mehr als 780.000 Baumringmessungen an 5800 Bäumen vor – die Probenstellen reichten vom Norden Schottlands bis zum griechischen Festland. Aus den Testbäumen wurden Bohrkerne gezogen, deren Jahresringmuster Auskunft über das vergangene Wachstum gab. Anhand dieser Daten konnten die Wissenschaftler analysieren, in welchem Maße bestimmte klimatische Ereignisse die Wachstumsraten der Bäume in der Zeit von 1955 bis 1985 und von 1986 bis 2016 beeinflusst haben. Darauf aufbauend erstellten sie mithilfe von Klimamodellen eine Prognose darüber, wie sich die Rotbuchen in Zukunft entwickeln könnten.
Die Auswertungen ergaben: In den vergangenen sechs Jahrzehnten hat sich das Wachstum der Buchen in Europa deutlich verlangsamt. “Dieser Wachstumsrückgang ist weit verbreitet, Ausnahmen gibt es nur in Standorten im nördlichen Teil von Dänemark, Norwegen und Schweden und in höheren Lagen”, berichten Martinez del Castillo und ihre Kollegen. Während dort die Wachstumsrate sogar um zehn bis 20 Prozent zugenommen hat, ist sie im Süden Europas um bis zu 20 Prozent gesunken. Auch in Teilen Mitteleuropas und der deutschen Wälder wachsen die meisten Buchen heute langsamer als noch vor rund 60 Jahren. Besser ergeht es hingegen den Bäumen in der Norddeutschen Tiefebene, in Küstennähe und in den höheren Lagen der Mittelgebirge und Alpen. Die Wissenschaftler führen diese Entwicklung anhand der Klimadaten vor allem auf die zunehmende Erwärmung und sinkende Niederschläge zurück. “Unsere Modelle demonstrieren, dass die räumlichen Unterschiede im Buchenwachstum vorwiegend durch Unterschiede in der Temperatur und der Wasserverfügbarkeit erklärt werden können”, schreiben Martinez del Castillo und ihre Kollegen. Am ausgeprägtesten sind diese Effekte, wenn Hitze und Trockenheit zusammentreffen.





