Der Klimawandel ist längst Realität – was Wissenschaftler schon vor Jahrzehnten vorhergesagt haben, ist seit einigen Jahren zunehmend deutlich sichtbar und spürbar. Seitdem legt die Politik mehr Augenmerk auf den Klimaschutz. Um das Ausmaß der globalen Erwärmung zumindest einzudämmen, haben Regierungen weltweit in den letzten zwei Jahrzehnten bereits tausende klimapolitische Maßnahmen umgesetzt. Doch welche dieser Klimapolitiken sind in großem Maßstab wirksam? Und welche sind am effektivsten, um die Treibhausgas-Emissionen zu senken?
Bilanz der globalen Klimapolitik
Das hat nun ein Team um Annika Stechemesser vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) untersucht. Dafür überprüften die Klimaforscher die Wirkung von 1500 klimapolitischen Maßnahmen, die zwischen 1998 und 2022 in 41 Ländern eingeführt wurden. Die Daten stammten von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und beinhalten Länder, die zusammen rund 80 Prozent der weltweiten Emissionen ausstoßen. Um die Daten auszuwerten, verwendeten die Forschenden eine erweiterte Computeranalyse, die auf maschinellem Lernen beruht. Damit werteten sie statistisch aus, welchen Effekt eine Maßnahme einzeln oder im Verbund mit anderen Instrumenten in verschiedenen Regionen und über verschiedene Zeiträume auf den CO2-Ausstoß hatte.
Die Auswertung ergab, dass die untersuchten Länder zwar bis 2022 im Schnitt vier bis acht verschiedene Klimaschutzmaßnahmen neu umgesetzt oder verschärft haben. Die allermeisten dieser Maßnahmen haben aber bisher nur wenig zum Klimaschutz beigetragen, wie das Team berichtet. Doch 63 der 1500 Maßnahmen können als echte Erfolgsgeschichte betrachtet werden: Diese Regulierungen bewirkten eine Reduktion der globalen CO2-Emissionen zwischen 0,6 und 1,8 Milliarden Tonnen – durchschnittlich um rund 20 Prozent in ihrem Bereich, wie Stechemesser und ihre Kollegen feststellten.
In Norwegen wurden beispielsweise zuletzt neue Autos mit Verbrennungsmotoren verboten und zugleich Steueranreize beim Kauf von Elektroautos gesetzt. Eine deutsche Erfolgsgeschichte im Transportsektor sind laut der Studie die 1999 eingeführte Ökosteuerreform für den Energieverbrauch und die 2005 eingeführte LKW-Maut, beide begleitet durch Investitionen in die Bahn. Großbritannien hat 2013 die Stilllegung von Kohlekraftwerken beschlossen und zugleich erneuerbare Energien gefördert sowie einen Mindestpreis für CO2 eingeführt. China hat ebenfalls erfolgreich Pilotprojekte zum Emissionshandel eingeführt. Zudem hat das Land nahezu zeitgleich seine Subventionen für fossile Brennstoffe gesenkt und die finanziellen Anreize für energieeffizientes Wirtschaften erhöht und so ebenfalls seine Emissionen gesenkt. Argentinien hat zuletzt sein Bauwesen neu reguliert und einen CO2-Preis eingeführt.





