Weibliche Waldklapperschlangen bevorzugen Familienangehörige als Mitbewohner und Winterschlafgefährten. Sie erkennen beispielsweise Geschwister auch dann, wenn sie voneinander getrennt aufgewachsen sind. Diese Entdeckung des amerikanischen Biologen Rulon Clark widerspricht der bisherigen Annahme, dass Schlangen Einzelgänger sind. Der Biologe von der Cornell-Universität in Ithaca berichtet über seine Arbeit in der Fachzeitschrift Proceedings of the Royal Society: Biology Letters (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2004.0162).
Clark untersuchte, wie nah nebeneinander verwandte und nicht verwandte Waldklapperschlangen in Ruhe oder bei verschiedenen Aktivitäten liegen. Dabei zeigten die weiblichen Reptilien einen größeren Bedarf an Nähe als die männlichen und ließen die eigenen Geschwister näher an sich heran als fremde Artgenossen. Dies sei der erste Hinweis darauf, dass die Reptilien Familienangehörige erkennen könnten, schreibt Clark. Ältere Studien hatten bereits gezeigt, dass Schlangenmütter ihren Nachwuchs beschützen, bis dieser die empfindliche Neugeborenenhaut abgestreift hat. Auch weisen sie ihren Jungen mithilfe von Duftspuren den Weg zu Winterschlafquartieren. Solche Quartiere werden fast immer von nahen Verwandten geteilt.
Diese Ergebnisse zeigen nach Clarks Ansicht, dass die Waldklapperschlangen zu Unrecht von vielen Wissenschaftlern als asoziale Tiere eingestuft werden. Vielmehr zeige sich in der Bevorzugung von Verwandten für den Aufbau einer Gruppe ein komplexes Sozialverhalten. Die Tiere profitieren von einer solchen Sozialstruktur durch verbesserte Wachsamkeit, einer erhöhten Verteidigungskapazität und einer geteilten Versorgung der Jungtiere. Die Vorliebe für Verwandte als Mitbewohner könne ebenfalls evolutionär erklärt werden, schreibt Clark: Fällt ein Mitglied der Gruppe einem Räuber zum Opfer, sorgt die Gruppe trotzdem für die Weitergabe der Familiengene.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





