Der Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus) ist ein robuster immergrüner Strauch, dessen Äste sehr dicht und nah am Boden wachsen. Er wird daher hierzulande gerne in Gärten angepflanzt, vor allem als Hecke. Doch der Kirschlorbeer ist keine heimische Art, sondern wurde vor über 300 Jahren aus Südosteuropa und Westasien eingeführt. Inzwischen hat er sich von den Gärten aus über verbreitete Samen auch in einigen Wäldern in Mitteleuropa etabliert. Dort konkurriert der Kirschlorbeer nun mit der heimischen Pflanzenwelt, vor allem mit Unterholzarten wie Kräutern und Büschen. Zudem verändert die Pflanze die Bodenchemie, was wiederum für Bodenorganismen ungünstig ist. In der Schweiz gilt der Kirschlorbeer daher bereits als invasiv und darf ab September 2024 nicht mehr gehandelt werden. In Belgien steht der Strauch ebenfalls unter Beobachtung.
Über die Verbreitung des Kirschlorbeers in Deutschland war bislang wenig bekannt. Vereinzelte Studien der letzten Jahrzehnte erwähnen zwar, dass er hierzulande auch außerhalb von Gartenanlagen vorkommt. Das Bundesamt für Naturschutz führt den Kirschlorbeer jedoch bisher als „nicht etablierten Neophyten“. Dies sind eingewanderte Pflanzenarten, die noch keine selbstständig reproduzierenden Populationen gebildet haben und meist nach wenigen Jahren wieder verschwinden.

Kirschlorbeer etabliert sich in deutschen Wäldern
Ein Forschungsteam um Stefan Abrahamczyk vom Naturkundemuseum Stuttgart hat nun systematisch untersucht, ob diese Einstufung noch zeitgemäß ist. Dafür analysierten die Botaniker die Verbreitung der Pflanze in repräsentativen Flächen im Kottenforst, einem großen Waldgebiet bei Bonn. Dabei prüften sie, wie groß und wie alt die Kirschlorbeer-Population dort ist und wie tief sie bereits in den Wald eingedrungen ist.
Die Daten zeigen, dass sich der Kirschlorbeer inzwischen auch in deutschen Wäldern etabliert hat und bis zu 500 Meter vom Waldrand entfernt gedeiht. Einige der Pflanzen sind bereits sehr groß und alt. „Die größten Pflanzen bedeckten im Kottenforst eine Fläche von 50 Quadratmetern und hatten ein Alter von 30 Jahren“, berichtet Abrahamczyk. „Die meisten Kirschlorbeer-Pflanzen waren aber deutlich jünger und entsprechend kleiner.“ Diese wachsen demnach erst seit der Jahrtausendwende in den Wäldern. Bei vielen älteren Exemplaren fanden die Forschenden auch reichlich Blüten und Früchte. Einige der großen Kirschlorbeer-Pflanzen waren zudem von einem Kreis von Jungpflanzen umgeben. „Diese Beobachtungen belegen, dass sich der Kirschlorbeer im Wald selbstständig vermehrt und rechtfertigt die Kategorisierung als etablierter Neophyt“, so Abrahamczyk.





