Autismus und verwandte Entwicklungsprobleme sind bei Kindern weiter verbreitet als bislang angenommen, sagt eine britische Studie, die den Bedarf an frühen Diagnosen betont. Eine Untersuchung von 15.500 Kindern im Alter zwischen 2,5 und 6,5 Jahren fand bei 0,6 Prozent eine durchdringende Entwicklungsstörung, wie die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Journal of the American Medical Association berichten.
Vor Jahrzehnten war die Fachwelt von einem um das 10-fache geringeren Prozentsatz ausgegangen, berichtet der Studienleiter Eric Fombonne, der als Epidemiologe am Kings College in London arbeitet. Aber die Ergebnisse dreier Studien in den letzten zwei Jahren, die alle Kinder im Alter zwischen 3 und 6 Jahren untersuchten, kommen zu viel höheren Zahlen. Die früheren niedrigen Prozentzahlen könnten durch eine engere Definition der Entwicklungsstörung entstanden sein. Denn auch in den neuen Studien leiden nur 25 Prozent der diagnostizierten Kinder an Autismus, während die anderen meist Entwicklungsstörungen am milden Ende des Autismus-Spektrums zeigten.
Auch die frühzeitige Diagnose schon im Alter von 2 bis 3 Jahren könnte die höheren Zahlen erklären, meint Fombonne. Doch je früher die Störung erkannt wird, desto größer sind die Therapiechancen für die Kinder, denn die meisten von ihnen sind behandelbar. So fördern etwa Verhaltenstherapie, Sprachtraining und andere Methoden die Leistung. Auch Medikamente können helfen. So zeigen groß angelegte Versuche am Mount Sinai Center den Beitrag von medikamentöser Behandlung auf unterschiedliche Entwicklungsstörungen.
Die Ärzte raten Eltern, die Entwicklung ihrer kleinen Kinder genau zu beobachten. Treten Probleme mit ihren sprachlichen Fähigkeiten auf, sollten sie besonders aufmerksam sein. Ein weiterer Hinweis könnte sein, wenn die Kinder den Kontakt mit Spielkameraden meiden, direkten Augenkontakt scheuen und motorische Schwierigkeiten beim Laufen entwickeln. Auch abnormales wiederholtes Verhalten, wenn etwa dieselbe Sache endlos wiederholt wird, ist ein auffälliges Kriterium für Autismus.
Dr. Dagmar Knopf





