Selbst Achtjährige haben Schwierigkeiten Wahrheit und Fiktion zu trennen
Kinder sind keine verlässlichen Zeugen vor Gericht. Selbst Schulkinder können nicht sicher unterscheiden, ob sie etwas selbst erlebt oder nur von ihren Müttern erzählt bekommen haben. Das berichten Debra Ann Poole von der Central Michigan Universität und Stephen Lindsay von der Victoria Universität im “Journal of Experimental Psychology”. Die Psychologen empfehlen den Gerichten, Kinder im Zeugenstand immer genau nach ihren Quellen zu befragen.
Bei der Studie mit 114 Kindern im Alter von drei bis acht Jahren führte erst ein “Mr. Science” genannter Mann vier Versuche vor. Anschließend wurden die Kinder zu dem befragt, was sie gesehen und erlebt hatten. Ihre Aussagen waren sehr genau.
Drei Monate später bekamen die Eltern ein Buch, das sie den Kindern laut vorlesen sollten. Darin wurden zwei Versuche beschrieben, die Mr. Science den Kindern vorgeführt hatte, und zwei weitere, die sie niemals erlebt hatten. Außerdem wurde in den Geschichten berichtet, Mr. Science habe sie unangenehm berührt.
Erneut nach ihren Erlebnissen befragt, erzählte jedes dritte Kind unwahre Geschichten. 17 der 114 Kinder berichteten auch von der Berührung. Dabei stellten die Psychologen keinen Unterschied zwischen den jüngeren und den älteren Kindern fest. Auch weitere Nachfragen halfen nicht, die wahren von den unwahren Schilderungen zu unterscheiden.
Selbst wenn die Forscher die Kinder darauf aufmerksam machten, dass in dem Buch etwas Unwahres stehen könnte, beharrten die drei und vier Jahre alten Kinder auf ihrer Meinung. Nur bei den älteren Kindern verringerten sich dadurch die falschen Angaben erheblich.
Marianne Diehl





